US-Präsident Barack Obama in Hannover: Kinder dürfen nicht in den Garten

Die Polizei hat die Anwohner des Zooviertels am Mittwochabend über die Maßnahmen zum Besuch von Barack Obama informiert. Die Bürger zeigten zwar stellenweise Verständnis – nur das Verbot für Kinder, draußen zu spielen, stieß auf Kopfschütteln.

 

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Hannover. "Wir wollen Ängste abbauen und Transparenz schaffen", sagt Polizeivizepräsident Rochell bei der Begrüßung der rund 70 Besucher – zumeist Anwohner aus dem Zooviertel, die wissen wollten, worauf sie sich beim Besuch von US-Präsident Barack Obama am 24. April einstellen müssen. Die Behörde hatte offenbar mit einem größeren Andrang gerechnet und deshalb die Schulaula im Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium für das Treffen ausgewählt. Ist die Zahl der Anwesenden der Maßstab, darf vermutet werden: Viele sind mit den bisher veröffentlichten Informationen zufrieden und haben sich auf die besondere Lage und großen Grimm eingestellt – die Diskussion gestern verlief ruhig und konzentriert.

Einsatzleiter Rochell hatte einen Teil des Planungsstabs mitgebracht, um allen Fragestellungen gerecht werden zu können. Auf dem Podium saßen außerdem Kripochef Bernd Gründel, der Leiter des Dezernats Einsatz und Verkehr, Uwe Lange, und Gerd Lewin, Chef der Polizeiinspektion Ost. "Es sind eine Reihe von Medienvertretern da, weil Obama ein Ereignis ist und weil er in Ihr Wohnviertel kommt." Die Polizei müsse deswegen einen sehr hohen Sicherheitsstandard erfüllen. "Ich finde es persönlich aber wichtig, dass sich die führenden Leute treffen und nicht kuschen vor der aktuellen Weltlage", sagte Rochell.

 

 

Wie schwierig die Planungen waren, machte der Einsatzleiter bereits zu Beginn der Veranstaltung deutlich. Es habe durchaus Überlegungen gegeben, dass die Wohnungen in unmittelbarer Nähe der Stadthalle am Tag des Obama-Besuchs geräumt werden. Die Betroffenen hätten dann in Hotels umziehen müssen. Man habe dann aber von diesem Plan Abstand genommen und die Betroffenen lediglich darum gebeten, nicht an die Fenster zu treten oder vom Balkon dem US-Präsidenten zu zuwinken.

Eine Tabuzone werden am Sonntag der Obama-Visite ab 14 Uhr allerdings die Mars-la-Tour-Straße und der Theodor-Heuss-Platz sein. Ob sie denn den ganzen Nachmittag an ihre Wohnung gebunden sei, wollte eine Anwohnerin wissen. Nein, lautete die Antwort von Thomas Rochell, allerdings könne sie nicht direkt vor den Ort der Veranstaltung gelangen. Ein Anwohner des Theodor-Heuss-Platzes, der am Tag des Obama-Besuchs die Konfirmation seiner Tochter feiern will, wollte wissen, ob auch die Gäste bereits am Sonnabend in die Sicherheitszone mit den Autos fahren können. Das sei problemlos möglich, lautete Rochells Auskunft. Ein Bürger aus der Gneisenaustraße wollte wissen, ob er an dem Obama-Besuchstag den Garten nutzen dürfe. "Können die Kinder da rumspringen?", wollte er wissen. Da musste der Polizeivizepräsident verneinen.

 

Ein Anwohner, zu Hause in einer Erdgeschosswohnung direkt am Kuppelsaal, beklagte, dass er am Sonntag ab 14 Uhr seinen drei Jahre alten, geistig behinderten Sohn nicht nach draußen zum Spielen lassen könne. "Bei allem Verständnis, das halte ich für einen Eingriff in unsere Persönlichkeitsrechte", sagte er.

Besonders verärgert äußerte sich schließlich der Wirt der Vereinsgaststätte des Deutschen Tennisvereins (DTV), der ebenfalls im Sicherheitsbereich liegt. "Ich hatte einen ausgebuchten Sonntag, jetzt sind mir alle abgesprungen. Wer erstattet mir den finanziellen Schaden?", wollte er von Rochell wissen. Dieser konnte ihn allerdings nur an die Stadt Hannover weiterverweisen.