Öl-Pleiten in den USA: Folgen dramatischer als bei Platzen der New Economy-Blase

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Das Sterben der amerikanischen Öl-Industrie setzt sich mit ungebremster Dynamik fort: insgesamt hat es nun bereits 59 Öl- und Gasfirmen in den USA erwischt – und damit fast so viele, wie einst mit Platzen der New Economy-Blase 2002 und 2003. Damals gingen 68 Telekom-Firmen bankrott. Insofern ist das Platzen der Öl-Blase mit dem Platzen der Tech-Blase zu Beginn des Jahrtausends vergleichbar!

Erst vor wenigen Tagen gingen Midstates Petroleum und Ultra Petroleum pleite – aber das dürfte noch lange nicht das Ende sein. Viele amerikanische Ölfirmen, meist kleinere Fracking-Unternehmen, haben zuletzt wieder Mut geschöpft durch die Erholung des Ölpreises. Sollte der Ölpreis jedoch wieder in Richtung der 30er-Marke fallen, dürften eben diese Firmen endgültig aufgeben.

Die Parallelen zwischen der damaligen Tech-Blase und der inzwischen geplatzten Öl-Blase liegen auf der Hand: es entstand eine neue Technologie, beim Öl das Fracking – dann gründeten sich massenhaft Firmen, die viele Investoren fanden und in hohem Maße Schulden aufnahmen. Durch die Vielzahl der Firmen wuchs das Angebot stark, während dann die Nachfrage sank.

Seit die Ölpreise Mitte 2014 drastisch einbrachen, haben US-Energiefirmen knapp über eine Billionen Dollar an Marktkapitalisierung verloren – etwas mehr als damals die Tech-Firmen verloren (knapp 900 Milliarden Dollar). Das bedeutet: schon jetzt sind die Auswirkungen des gefallenen Ölpreises stärker als das Platzen der Tech-Illusion Anfang der 2000er-Jahre!

Der Trend zum Firmensterben dürfte sich dabei im laufenden 2.Quartal verstärken, nachdem im ersten Quartal nur 15 Firmen pleite gingen. Der Grund sind vorwiegend die Banken, die lange Zeit geduldig mit den verschuldeten Firmen waren. In den letzten Wochen aber haben einige US-Banken die Zügel gestrafft und die Kreditkonditionen deutlich verschärft.

All das ist jedoch noch nicht vergleichbar mit dem Platzen der US-Immobilienblase ab 2007 – die Auswirkungen erfassten damals praktisch alle Wirtschaftsbereiche. Aber es gibt derzeit vor allem eine Gefahr, die in der Tech-Blase Anfang des Jahrtausends viel geringer war: die Schulden. Denn die Öl-Firmen haben über Unternehmensanleihen doppelt so viele Schulden aufgenommen wie damals die Telekom-Unternehmen. Insgesamt haben Öl-Firmen zwischen 2010 und 2014 350 Milliarden Dollar Schulden über diese Anleihen aufgenommen – und zahlen dafür eine außerordentlich hohe Rendite, müssen also saftige Risikoaufschläge für ihre Schulden bezahlen (Junk-Bonds).

Noch hält sich die Zahl der Pleiten und damit der Kreditausfälle in Grenzen. Aber sollte der Ölpreis noch einmal abtauchen, dürfte es bei diesen von Öl-Firmen emittierten Junk-Bonds zu einem Blutbad kommen, das die Dimensionen der Tech-Pleiten bei weitem übersteigt..

 

 

Quelle: finanzmarktwelt.de

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