Was hat Köln mit Erdogan zu tun? Und warum überhaupt in Deutschland demonstrieren?

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Einsatzkräfte bereiten sich auf die Großdemo in Köln vor

© DPA
Einsatzkräfte bereiten sich in Köln auf die Großdemonstration vor.

Heute die Erdogan-Unterstützer, in ein paar Wochen die Kurden

Überhaupt stören sich die Kölner daran, dass immer häufiger „irgendwelche Gruppen“ in ihrer Stadt „für irgendwas“ demonstrieren. Im Frühjahr waren es Türken und Kurden, die am Hauptbahnhof und in der Altstadt demonstrierten, an diesem Wochenende die pro-Erdogan Demo von gigantischem Ausmaß und in ein paar Wochen wird es eine kurdische Großveranstaltung in der Lanxess Arena geben.

Lange war den vier Männern, wie den meisten Kölnern egal, wer demonstrierte, solange nichts passierte und sie selbst nichts damit zu tun hatten. Das Kölsche Prinzip „Leben und Leben lassen“ klingt tolerant – es ist aber vor allem ein Ausdruck von gelebtem Desinteresse. Bei dem speziellen Fall am Sonntag stören sich die Männer an der „Verherrlichung eines Alleinherrschers“, so drückt Frank es aus. „Der lässt Journalisten einsperren, schmeißt massenweise Leute raus und geht gegen seine Kritiker vor – so einen lassen wir auch noch huldigen“, sagt Frank. Er ist Busfahrer bei den Kölner Verkehrsbetrieben und schnauft zufrieden, wenn sagt, er müsse Sonntag nicht arbeiten. „Wenn die Massen kommen, wird das sicherlich das reinste Chaos.“

 

Die Stadt am Rhein ist Erdogans Zielgruppe

In Köln hat jeder Dritte einen Migrationshintergrund. Die größte Gruppe der Einwanderer sind die Türken, sie machen fast zehn Prozent der in Köln lebenden Menschen aus. Das ist einer der Gründe, wieso Großveranstaltungen mit Erdogan, wie vor zwei Jahren, am Rhein stattfinden – die Zielgruppe ist hier groß.

Hinzu kommt, dass viele türkischstämmige Mitglieder in gut organisierten Kulturvereinen sind, sich in den Stadtteilen engagieren oder im Bezirksrat sitzen. Wie gut organisiert die Community ist, zeigt ein Blick auf die Liste der Organisatoren: Fast 80 Vereine sind an der Großdemonstration am Sonntag beteiligt.

Der Ärger vieler Kölner scheint aber auch damit zusammenzuhängen, dass die Situation am Sonntag durchaus eskalieren könnte. Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Matthies spricht von „hochemotionalisierten“ Erdogan-Anhängern, die sich zur Demo einfinden. Die Oberbürgermeisterin der Stadt, Henriette Reker sagte, sie habe im Voraus viele besorgte Briefe und Nachrichten von Bürgern erhalten. Als am Samstagmorgen am Ort der geplanten Demonstration über Nacht Graffiti aufgetaucht waren, bat die Polizei abermals um Zurückhaltung. Innerhalb weniger Stunden wurden Sprüche wie „Fuck AKP“ und „Kill Erdogan“ mit Farbe überstrichen. Bloß keine Provokation.

In einem Eiscafé um die Ecke sitzen Melanie Münchau und ihr Freund Simon, beide wohnen an der Deutzer Freiheit. Am Sonntagnachmittag wollen sie die Demonstration vom Fenster im vierten Stock aus beobachten. „Ich will auf keinen Fall das Haus verlassen“, sagt Münchau. Das Risiko sei ihr zu groß, dass etwas geschieht. Sie rechnet fest mit einer Eskalation. Wirklich begründet sei ihre Sorge nicht, sagt sie. „Aber ich habe verfolgt, was in der Putschnacht in Istanbul passiert ist.“ Jetzt hätte sie das Gefühl, dass die Auseinandersetzung nach Köln gebracht würde – „Wut und Gewalt inklusive“, sagt sie.

Dabei wird das eigentliche Störpotential von Experten vergleichsweise gering eingeschätzt. Die Erdogan-Gegner und die Anhänger trennt der Rhein. Auf der rechten Rheinseite, der sogenannten „Schäl Sick“, kommen auf dem Gelände der Deutzer Werft die Erdogan-Anhänger zusammen, die gegen den versuchten Militärputsch demonstrieren wollen. Mit mindestens 20.000 Demonstranten wird gerechnet, die teilweise mit Bussen, teilweise mit Zügen und Privatwagen anreisen. Der Deutzer Bahnhof, der neben der Messe liegt, wird der Ankunftsort sein.

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