Fukushima: Atommüllproblem eskaliert, Robotererkundung wieder gescheitert

Habt Ihr es schon vergessen? Ich erinnere Euch daran!
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Verladen kontaminierter Erde. Bild: Umweltministerium

Ein Artikel von: Florian Rötzer

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Recycling-Idee: Das Umweltministerium will mit der kontaminierten Erde aus den evakuierten Gebieten, die sich auftürmt, Parks schaffen

Um die 400 Tonnen Wasser fließen durch das havarierte AKW Fukushima, um die Kernschmelze zu kühlen, dabei ist aber auch Grundwasser. Das radioaktive Wasser wird, soweit es geht, dekontaminiert, was aber nicht vollständig möglich ist und Tritium zurückbleibt, weswegen es in riesigen Tanks aufgesammelt wird.

Fast eine Million Tonnen radioaktiv belastetes Wasser wird derzeit in 1000 Tanks gesammelt. Jedes Jahr kommen 150.000 Tonnen dazu. Ungeklärt ist, was damit gemacht werden soll. Es wurden verschiedene Vorschläge diskutiert, aber eine Entscheidung kam darüber nicht zustande, ob das Wasser einfach ins Meer geschüttet werden soll, ob man es verbuddelt oder verdampfen lässt. Zudem fließt kontaminiertes Wasser auch weiterhin ins Meer, bislang ist die Mauer aus künstlichem Eis, die 30 Meter in die Tiefe reicht und das verhindern soll, noch nicht ganz fertiggestellt. In Japan darf Wasser, das bis zu 60.000 Becquerel pro Liter belastet ist, in die Umwelt gelangen.

Aber das Wasser ist nicht der einzige belastete Abfall, da durch die Filterung radioaktiv belasteter Schlamm zurückbleibt. Was mit diesem geschieht, ist auch nicht entschieden. Man überlegt, ihn mit Zement zu vermischen, womit er aber auch nicht beseitigt wäre. Und dann gibt es da noch die Schutzkleidung für die Arbeiter am AKW. Um sie vor der Strahlung zu schützen, erhalten sie jeden Tag einen neuen Schutzanzug, neue Schuhe, Handschuhe und Gesichtsmasken, die benutzten wandern in den Müll. Der muss auch wieder eingesammelt und aufbewahrt werden. Mittlerweile müssen bereits fast 65.000 Kubikmeter der Schutzkleidung in Containern gelagert werden. Das sind auch wieder 1000 Container, die sie auch auf dem Gelände ansammeln. Tepco überlegt, die abgelegte Schutzkleidung zu verbrennen.

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Eines der vielen Übergangslager für kontaminierte Erde. Bild: Umweltministerium

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Aber neben dem strahlenden Abfall aus dem AKW gibt es noch den belasteten Boden in dem Gebiet um das AKW herum. In der Regel werden die mit der Erde gefüllten Behälter, meist schwarze Plastiksäcke, vor Ort gelagert. Die Dekontamination selbst ist nach Angaben der Behörden in den evakuierten Gebieten mittlerweile weitgehend abgeschlossen. Allein im Dorf Iitate lagern 2,4 Millionen Kubikmeter kontaminierter Erde. Bislang sind in den 6 Jahren seit der Katastrophe, so die Japan Times, gerade einmal 6000 Kubikmeter zu einer temporären Lagerstätte gebracht worden. Von den vorgesehenen 20 Hektar zur temporären Lagerung des kontaminierten Erdbodens wurden erst 20 Prozent erworben. Aber auch wenn die Erde dort hingebracht würde, wäre noch immer nicht gelöst, wo sie letztendlich gelagert werden soll.

Am Montag schlug ein Beraterkreis des Umweltministeriums vor, man könne die abgetragene Erde aus der Präfektur Fukushima doch zur Geländeauffüllung verwenden, um in Japan „Grünzonen“ für die öffentliche Nutzung zu schaffen. Wie die Zeitung Mainichi Shimbun schrieb, dürfte das Ministerium bewusst vermieden haben, das Wort Park zu verwenden, um einen öffentlichen Aufschrei zu vermeiden. Ob das mit der verschleiernden Neusprech-Formulierung mit „Grünzonen“ gelingt, dürfte fraglich sein, zumal das Wirtschaftsministerium auf Anfrage bereits einräumte, dass Parks zu den Grünzonen gehören.

Die Recyclingpläne für kontaminierte Erde, mit der Parks geschaffen werden sollen, schließen für den Umweltminister die Einrichtung einer neuen Organisation ein, die dafür sorgen soll, dass die Öffentlichkeit mitzieht. Also Recycling + Propaganda ist die Formel, den Abfall beiseiteschaffen zu können, auch wenn die Regierung letztes Jahr bereits beschlossen hat, dass kontaminierter Erdboden, der Cäsium enthält und bis zu 8000 Becquerel pro Kilogramm an Strahlung abgibt, für Bauprojekte wie Straßen oder Dämme verwendet werden kann, bei denen die Erde mit Beton oder anderen Materialien abgedeckt ist. Eigentlich müsste die Abdeckung mindestens 170 Jahre lang vorhanden sein, damit die Radioaktivität unter die Grenzwerte fällt. Nach Schätzungen würde der Beton aber nur 70 Jahre halten. Vor der Katastrophe durfte nur Abfall mit einer Belastung von 100 Becquerel pro Kilogramm als Abfall behandelt werden.

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Surreale Bilder aus Reaktor 1. Bild: Tepco

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Derweil ist das Innere der von Kernschmelze betroffenen Sicherheitsbehälter in den drei Reaktoren noch immer ein Schwarzes Loch (Pannenserie in Fukushima: Erkundungsroboter in Reaktor 2 blieb stecken). Gerade erst wieder ist eine Untersuchung von Reaktor 1 mit dem Roboter PMORPH von Hitachi weitgehend ergebnislos eingestellt worden, wie Tepco am Montag mitteilte, aber von einer erfolgreichen Erkundung sprach.

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Roboter PMORPH im Sicherheitsbehälter von Reaktor 1. Bild: Tepco

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Der Roboter, der zwischen dem 18. und 22. März das Innere erkunden sollte, hat zwar wieder erhöhte Strahlung gemessen, wo aber die geschmolzenen Brennstäbe sich befinden, konnte auch hier nicht herausgefunden werden. Proben aus dem am Boden stehenden Wasser konnten wegen des darin treibenden Mülls nicht entnommen werden.

Gemessen wurden Strahlungswerte zwischen 1,5 bis 11 Sievert pro Stunde. Damit wäre die Strahlung bedeutend weniger als in Reaktor 2, wo bis zu 650 Sievert pro Stunde gemessen wurde (Noch höhere Strahlung von 650 Sievert in Reaktor 2, „Radioaktive Strahlung in Fukushima-Reaktor könnte einen Menschen in einer Minute töten“).

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Auf diesem Gehgitter für Arbeiter soll der Roboter das Innere erkunden, wird aber von Müll versperrt. Bild: Tepco

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Der Roboter konnte allerdings nur in der Nähe der Öffnung, die in den Behälter geschlagen wurde, die Lage erkunden. Auf dem Boden wurden mit den Kamerabildern „sandähnliche“ Ablagerungen beobachtet. Der Roboter konnte allerdings nur die Strahlung in einer Höhe von 90 cm über dem Boden des Behälters messen. Bei Tepco geht man davon aus, dass sich das geschmolzene Material unter dem Kühlwasser am Boden des Druckkessels befindet, aber teilweise auch in den Sicherheitsbehälter durchgedrungen ist.

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Quelle: heise.de

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