Erdogan: ‚Türkei kann eines Nachts aufmarschieren‘

Ankara/Brüssel (trt / K-Networld) – Recep Tayyip Erdogan hat gesagt, die Geduld gegenüber Europas Doppelgesichtigkeit habe ein Ende. In seiner Rede auf der TÜMSİAD-Generalratsversammlung in Istanbul sagte Erdogan, die EU habe die Türkei bei den Verhandlungen ständig hingehalten, diese Angelegenheit müsse nun gelöst werden, denn die Geduld des Volkes habe auch ein Ende. Diesbezüglich könne auch eine Volksabstimmung durchgeführt werden.

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Zu den Operationen gegen die Terrororganisation PKK im nordirakischen Sincar und im syrischen Karacok sagte Erdogan, um die 220 Terroristen seien ausser Gefecht gesetzt worden, die Türkei wisse sehr gut wie und wann sie zu handeln habe, entsprechend könnten sie eines Nachts aufmarschieren. Zum syrischen Ableger der Terrororganisation PKK, zur PYD sagte Erdogan, nun sei Manbidsch an der Reihe.

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Warnung und Kritik an die USA

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Nach Worten von Erdogan sei die PYD, der PKK-Ableger in Syrien durch Bilder mit US-amerikanischen Soldaten und Flaggen in Bemühung einen Terrorkorridor zu bilden. Man werde so etwas nicht zulassen, so Erdogan weiter. Der Staatspräsident sprach von hinterhältigen Plänen von PYD, die darauf bedacht seien, sich in der Region in der Weise einzunisten, wodurch die demographische Struktur zerstört wird.

Erdogan machte auch auf die Operationen der türkischen Luftwaffe aufmerksam, bei der mehr als 200 PYD-Terroristen außer Gefecht gesetzt wurden. Diese Operationen werde man jederzeit fortsetzen, vermerkte Erdogan und setzte seine Worte wie folgt fort: „Anstatt dass wir in Sorge leben, sollen sie in Angst leben.“

Dass im Konvoi der PYD-Terroristen auch Flaggen der USA geschwenkt worden sind habe sie ernsthaft wütend gemacht, sagte Erdogan und führte weiter wie folgt aus: „Beim Treffen am 16. Mai mit US-Präsident Donald Trump werden wir all diese Beweise vorlegen. Wenn wir als zwei Verbündete gegen internationalen Terror sind, werden wir sie fragen, was diese Bilder zu bedeuten haben.“

Der Antiterrorkampf sollte auf einer gemeinsamen Plattform geführt werden, meinte Erdogan und ergänzte: „Andernfalls wird das Problem in der Region anhalten. Auf der anderen Seite wird dieser Umstand sie stören. Wir als zwei NATO-Mitglieder und strategische Partner werden uns davon ernsthaft gestört fühlen.“

Erdogan sagte er werde am Dienstag der Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AK Partei) dessen Mitgründer er ist, wieder beitreten. Auf dem Parteikongress am 21. Mai werde die neue Führungsstruktur der Partei bestimmt, führte Erdogan fort.

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Seltsame Entscheidung in Brüssel

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Daraufhin gab es eine seltsame Entscheidung der EU in Brüssel. Die EU-Staats- und Regierungschefs kamen in Brüssel für Brexit-Verhandlungen zusammen. Unterdessen entschieden sich EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf dem NATO-Gipfeltreffen am 25. Mai mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zusammenzukommen. Nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel werden Tusk und Juncker versuchen, die Beziehungen mit der Türkei zu entspannen.

Wird es hier eventuell ein Zurückrudern der EU gegenüber der Politik von Erdogan geben? Haben sie nun die Hosen voll? Es bleibt spannend wie sich alles noch weiter entwickeln wird!

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Russland schützt Kurden vor türkischen Angriffen

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Russische Truppen werden in der Afrin-Kantone an der türkisch-kurdischen Grenze eingesetzt, um die Kurden vor türkischen Angriffen zu beschützen:

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Mehr als 9.000 Polizisten in der Türkei suspendiert und über 1000 davon inhaftiert

Ankara (dpa / K-Networld) – Die türkische Polizei hat 9.103 Beamte unter dem Vorwurf der Verbindungen zum Prediger Fethullah Gülen entlassen.

Die Suspendierung der Beamten sei „aus nationalen Sicherheitsgründen“ erforderlich, teilte die Polizei gestern Abend mit.

Wie die türkischen Medien am Mittwoch berichteten, sind 40.000 Menschen seit dem gescheiterten Putschversuch vom 15.Juli 2016 in diesem Land inhaftiert worden.

Zudem wurden dem Bericht zufolge 120.000 Beamten aller staatlichen Institutionen wie Militärkräfte, Polizisten, Lehrer und Personal der Abteilung für öffentlichen Dienste wegen angeblichen Verbindung mit der Gülen-Bewegung  suspendiert.

Bei  Polizei-Razzien in 72 türkischen Provinzen wurden außerdem gestern mehr als 1000 Menschen festgenommen.


Abrechnung mit politischer Opposition

Die EU wirft der Türkei vor, den Putschversuch für die Abrechnung mit der politischen Opposition zu nutzen und das ist ja auch sehr offensichtlich, wenn man sich die Zahlen der Suspendierungen und Inhaftierungen anschaut. Zudem werden auch die Angriffe in Syrien, dem Iran und Irak durch das türkische Militär gegen Kurdenmilizen, die auch gegen den Islamischen Staat kämpfen raufgefahren. Und das trotz weltweiter Empörung.

Mit der erfolgreich gefälschten und damit gewonnenen Wahl des Referendums von Erdogan, lässt er kaum einen Tag verstreichen ohne seine Gegner aus dem Weg zu räumen. Die Welt schaut zu wie die Türkei zu einem Kalifat ausgebaut wird. Während man zig andere Länder wegen ausgedachter und falscher Gründe sanktioniert, wird der Türkei hier freie Hand gelassen und EU-Gelder fließen weiterhin.

Zweifel an Schuld der Gülen-Bewegung

BND-Chef Kahl bezweifelt, dass die Gülen-Bewegung hinter dem Putschversuch gegen Erdogan steckte. Die Türkei reagierte verärgert – erst mit Verschwörungstheorien, nun mit diplomatischem Protest. Der BND-Chef bezweifelt im aktuellen SPIEGEL, dass Gülen hinter dem gescheiterten Staatsstreich im vergangenen Sommer steckt. „Die Türkei hat auf den verschiedensten Ebenen versucht, uns davon zu überzeugen. Das ist ihr aber bislang nicht gelungen“, sagte Kahl.

Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden türkischen Islamprediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich. Das türkische Außenministerium warf Deutschland zudem vor, „Hunderten“ Gülen-Anhängern Zuflucht zu gewähren.

Schon am Wochenende hatte ein Sprecher des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit schweren Vorwürfen auf Kahls Aussagen reagiert. Sie seien ein Beleg dafür, dass die Regierung in Berlin Gülen und damit den Putschversuch unterstützte. Für die Behauptungen des Sprechers gibt es keinerlei objektive Hinweise.

Europarat interveniert

Aus Sorge um die Demokratie in der Türkei seit dem Putschversuch hatte die Parlamentarische Versammlung des Europarats das Land am Dienstag erstmals seit 13 Jahren wieder unter volle Beobachtung gestellt. Die Regierung in Ankara verurteilte den Beschluss als politisch motiviert. Zuvor war es bereits zu erneuten Spannungen mit Europa rund um das Verfassungsreferendum zur Einführung eines Präsidialsystems gekommen, das Erdogan nach vorläufigen Ergebnissen knapp gewonnen hatte. Die Opposition kritisierte „Wahlbetrug“ und verlangte vergeblich eine Annullierung des Referendums.

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Erdogan der Chef-Osman – Neues Extra3 Video

Mit „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ erheiterte und erhitzte „Extra 3“ im vergangenen Jahr die Gemüter. Jetzt haben die Macher der Sendung nachgelegt.

Ein Jahr, nachdem sie den türkischen Präsidenten mit ihrem Song „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ auf die Schaufel genommen haben, legen die Satiriker der NDR-Sendung „Extra 3“ mit einem neuen Musikstück nach.

Zu den Klängen des beliebten Nena-Songs „99 Luftballons“ wird darin Erdogans Umgang mit Medien, Kritikern und Kurden angeprangert. Wie schon beim ersten Song vor einem Jahr fehlt es im aktuellen Stück nicht an deftigen Reimen – und so wird der „Chef-Osman“ im Song schon mal „frommer als ein Muslimbruder, geiler als ein Boxenluder“.

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https://www.youtube.com/watch?v=MYcCSY1LZg0




Die Türkei, die Wahl des Referendums und Ausschreitungen in Brüssel

Zum Auftakt des türkischen Verfassungsreferendums in Deutschland hat Bundestagspräsident Norbert Lammert der türkischen Führung einen Putschversuch gegen die Demokratie vorgeworfen. Was Präsident Recep Tayyip Erdogan und die türkische Regierung planten, sei die „Umwandlung einer zweifellos fragilen, aber demokratischen Ordnung in ein autoritäres System“, sagte Lammert am Montag bei einer Veranstaltung im Bundestag.

Nach dem gescheiterten Militärputsch im vergangenen Sommer verfolge Erdogan nun die „systematische Aushebelung“ des politischen Systems und putsche damit gegen die eigene Verfassungsordnung. „Dieser zweite Putschversuch droht erfolgreich zu sein“, sagte Lammert.

Zwar wird über das umstrittene Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei erst am 16. April abgestimmt, doch in einigen europäischen Ländern hat die Stimmabgabe schon am 27. März begonnen. In Deutschland können die Deutsch-Türken bis zum 9. April von ihrem Recht der Stimmabgabe Gebrauch machen. Möglich ist das in dreizehn deutschen Städten, an Grenzübergängen und manchen Flughäfen. In Dortmund, Hannover, München und Nürnberg wurden Wahlurnen in angemieteten Messehallen aufgestellt; in anderen Städten befinden sich die Wahlurnen in Generalkonsulaten. In Deutschland leben aktuell circa 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken.

Nach der Stimmabgabe in Deutschland sollen die Behälter mit den Stimmzetteln anschließend versiegelt in die Türkei gebracht werden und am 16. April unter strengster Aufsicht und Transparenz gezählt werden. Es stellt sich jedoch die Frage: Wie wird überhaupt ihre Sicherheit während und nach der 14 Tage andauernden Stimmabgabe gewährleistet?

Mindestens drei Menschen sind bei gewalttätigen Zusammenstößen vor der türkischen Botschaft in Brüssel während der Wahl über das Verfassungsreferendum verletzt worden, berichtet das Nachrichtenportal Daily Express. Die Stimmung sei sehr aufgeheizt und Prügeleien vor den Botschaften sei an der Tagesordnung. Die Emotionen der Wähler und der Protestler lassen sich kaum noch bändigen.

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Bundesaußenminister warnt Erdogan vor weiteren Attacken

Berlin/Passau (dpa / K-Networld) – Nach den jüngsten Verbalattacken aus Ankara hat Bundesaußenminister, Sigmar Gabriel, den türkischen Staatspräsidenten, Recep Tayyib Erdogan, vor Konsequenzen gewarnt.

Im Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ bezeichnete  Gabriel die Attacken Erdogans als absurd und sagte: „Wir sind tolerant, aber wir sind nicht blöd.“ Umso mehr hätten ihn „die unsäglichen Vorwürfe und absurden Vergleiche“ der letzten Wochen aus Ankara geärgert.

In einer Rede am Sonntag in Istanbul hatte Erdogan der Bundeskanzlerin, Merkel, „Nazi-Methoden“ vorgeworfen.

Schon in den vergangenen Tagen waren mehrere Wahlkampf-Auftritte türkischer Politiker in Deutschland und in den Niederlanden  abgesagt worden.

In einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ begründete Gabriel die Verbote: „Wir haben sehr klar zum Ausdruck gebracht, dass wir jederzeit alle notwendigen Maßnahmen ergreifen können und ergreifen werden, wenn sich Ankara nicht an die deutsche Rechtsordnung hält“. „Wer diese Grenzen überschreitet, darf nicht davon ausgehen, dass er bei uns seine politischen Vorstellungen propagieren darf.“

Am 16. April stimmen die Türken über das von Erdogan vorgelegte Verfassungsreferendum ab, welches ihm nach erfolgreicher Abstimmung die Präsidialherrschafft erteilt, wodurch er Gesetze ohne Zustimmung des Parlamentes erlassen kann. Laut Umfragen ist die Zustimmung der Bevölkerung im Referendum derzeit nicht gesichert. AKP und MHP haben für den Fall einer Ablehnung vorgezogene Neuwahlen angekündigt.

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Die Schweiz lehnt türkische Rechtshilfegesuche ab!

Bern (IRNA / SRF / K-Networld) – Die Schweiz hat ein erstes Rechtshilfegesuch der Türkei wegen Beleidigung gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan abgelehnt. In der Schweiz gelte die Meinungsäußerungsfreiheit, wie das Bundesamt für Justiz mitteilt.

Das Schweizer Bundesamt für Justiz hat ein Rechtshilfeersuchen aus Ankara abgelehnt. Die angebliche Beleidigung Erdogans würde in der Schweiz als Meinungsfreiheit toleriert und das würde auch so bleiben.

Anlass zu den insgesamt vier von türkischer Seite eingereichten Rechtshilfegesuchen waren kritische Äußerungen in den sozialen Medien gegenüber dem türkischen Staatspräsident.

„Die im vorliegenden Fall am türkischen Staatspräsidenten geäusserte Kritik würde in der Schweiz nicht als Ehrverletzungsdelikt gemäß Strafgesetzbuch sanktioniert“, erklärt der Informationschef des BJ, Folco Galli. „Würde in der Schweiz im Rahmen einer politischen Diskussion eine analoge Kritik an einem Regierungsmitglied geäußert, würde dies vielmehr als freie Meinungsäußerung toleriert.“ Deswegen leiste die Schweiz auch keine Rechtshilfe.

Würde in der Schweiz im Rahmen der politischen Diskussion eine ähnliche Kritik an einem Mitglied des Bundesrates geäußert, würde dies als freie Meinungsäußerung toleriert und dann muss man auch so in diesem Verfahren agieren.




US Panzer Typ Abrams für Saudi Arabien gegen Jemen

Türkei warnt kurdische Milizen und drängt zum Abzug aus Manbidsch

Ankara (Press TV / K-Networld) – Nach Angaben des türkischen Präsidenten werden die Truppen dieses Landes nach Beendigung der Operationen in der syrischen Stadt al-Bab, in Richtung Manbidsch weiterziehen, die unter Kontrolle der Kurden steht.

Der türkische Präsident hatte wiederholt erklärt, dass die Selbstverteidigungskräfte der syrischen Kurden, die Ankara als eine Terrororganisation betrachtet, die syrische Stadt Manbidsch verlassen und sich an das östliche Euphrat-Ufer zurückziehen sollten.

Kurdische Kräfte haben im vergangenen Jahr die Stadt Manbidsch aus der Macht der IS-Terroristen befreit. Diese Kräfte haben jetzt die Kontrolle über den Norden der Grenze zwischen Syrien und Türkei.

Erdogan zufolge fordert die Türkei Zusammenarbeit mit seinen Verbündeten zur Befreiung Iraks und der syrischen Stadt ar-Raqqa, aber wird nicht mit der Partei der Demokratischen Union Kurdistans kooperieren.

Die türkische Armee hat am 24. August 2016  die Operation „Schutzschild Euphrat“ begonnen und Panzer und Militärflugzeuge an der Grenze zu Syrien stationiert.

Ankara gab vor, dass die militärischen Operationen der Vertreibung von IS-Terroristen aus dem türkisch-syrischen Grenzgebiet,  sowie der Verhinderung des Vormarschs von kurdischen Kräften dienen.

Russland hatte letzten Monat erst weitere Kampfjets nach Syrien verlegt um den Kurden den Rücken zu stärken, die gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ und zugleich gegen die türkische Expansion in Nordsyrien kämpfen.

Vier Jagdbomber vom Typ Su-34 waren auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Latakia eingetroffen, berichtete die „Nesawissimaja Gaseta“ unter Berufung auf syrische Quellen.

Seit der jüngsten Reduzierung der russischen Luftwaffengruppe in Syrien im Januar „haben die syrischen Regierungstruppen noch immer keine entschiedene Offensive auf den IS begonnen“, konstatiert die Zeitung.

„Zugleich haben die Türkei und die US-geführte Koalition ihr Vorgehen wesentlich intensiviert. Dadurch entstand die Gefahr, dass die wichtigsten Ölfelder am linken Ufer des Euphrat nach der Zerschlagung des IS in Rakka und Deir ez-Zor an die Amerikaner fallen und die wichtigsten Städte al-Bab und Azaz im Norden der Provinz Aleppo von der Türkei besetzt werden.“

Die Türkei macht kein Hehl daraus, dass ihre Armee nicht nur gegen den IS, sondern auch gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG kämpft. Laut Medien sollen türkische Flugzeuge wiederholt die YPG-Stellungen im Norden Aleppos bombardiert haben.

Im Raum Manbij heben Kurden, so die „Nesawissimaja Gaseta“, unterdessen Schützengräben aus, um das Vorrücken der türkischen Armee in ihre Gebiete zu behindern. „Nach Angaben der Agentur Аnadolu berieten die kurdischen Kommandeure und Assad-Vertreter am Wochenende auf dem russischen Stützpunkt Hmeimim über Schritte, um die türkische Expansion in Nordsyrien zu verhindern“, berichtete die „Nesawissimaja Gaseta“.

Mehrere hundert US-Soldaten sollen sich in Manbidsch aufhalten – und dort könnte es schon bald recht ungemütlich werden. Türkische Soldaten und verbündete syrische Milizen haben in der Umgebung von Manbidsch mit Angriffen begonnen. Denn die Stadt wird von syrischen Kurden gehalten, die für die Türkei ein Feind, für die USA aber ein Partner sind.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu richtete am Donnerstag eine Warnung an die USA und die syrischen Kurden, die als Ultimatum verstanden werden kann. Sollten sich die Kurden nicht aus Manbidsch zurückziehen, werde die türkische Armee die Stadt selbst angreifen, sagte Cavusoglu.

Wie wird die Türkei nun weiter vorgehen und wie wird dann die USA und Russland auf diese Angriffe des türkischen Militärs auf Verbündete reagieren?




Erdogan stellt Referendum über Todesstrafe in Aussicht

Manisa (dpa/K-Networld)Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdogan, hat nach der Volksabstimmung über das Präsidialsystem ein weiteres Referendum über die Todesstrafe in Aussicht gestellt.

„Auch dafür können wir ein Referendum in die Wege leiten“, sagte Erdogan am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt im westtürkischen Manisa. Sollte die Wiedereinführung der Todesstrafe ins Parlament kommen und dort die Zweidrittelmehrheit für eine Verfassungsänderung verfehlen, sei eine Volksabstimmung eine Möglichkeit.

Aus der Menge kamen bei seinem Auftritt immer wieder Rufe nach der Todesstrafe. Für ein Referendum über deren Wiedereinführung wäre im Parlament allerdings eine 60-prozentige-Mehrheit notwendig.

Erdogan warb für ein „Ja“ bei der für den 16. April geplanten Volksabstimmung über das Präsidialsystem, das ihn selber mit deutlich mehr Macht ausstatten würde.

Nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15.Juli in der Türkei hat der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdogan, die Wiedereinführung der Todesstrafe erneut nicht ausgeschlossen.




In türkischen Ausbeuterbetrieben nähen syrische Kinder Uniformen für IS und Kleidung für Esprit, Next und H&M – Made in Turkey

Made in Turkey – In türkischen Ausbeuterbetrieben nähen syrische Kinder, um zu überleben. Die Kinder haben sehr erschreckende Erlebnisse hinter sich. Sie flohen vor dem Bürgerkrieg und der Terrorgruppe IS, die in ihrer Heimat wüten. Jetzt arbeiten einige dieser syrischen Kinder in Fabriken auch an der Herstellung von Uniformen in der Türkei, angeblich auch für die IS-Terrorhgruppe. „Der einzige Grund, dass diese Kinder bei mir arbeiten, ist das Geld – Wenn es keinen Krieg in Syrien gäbe, wären diese Kinder in der Schule und hätten eine bessere Alternative“, so der Fabrikbesitzer Abu Zakour zu Mailonline.

Reuters berichtet,  dass multinationale Unternehmen herausfanden, dass syrische Kinder in der Türkei für ihre Zulieferer arbeiteten. Firmen, darunter Esprit, Next und H&M. Um zu vermeiden, dass die Familien nun gar kein Geld mehr bekommen, versuchen einige von ihnen eine Kombination von Arbeit und Schule zu arrangieren. Doch nicht nur für multinationale Unternehmen arbeiten diese Kinder, sondern für die Terrorgruppen, deretwegen sie ihre Heimat Syrien verlassen mussten.

Uniformen für IS und andere Terrorgruppen – Made in Turkey

Abu Zakour lieferte auch Uniformen an die Al-Qaida-Gruppe Jabhat al-Nusra, Ahrar al-Sham und andere Rebellen, die Uniformen bevorzugen.  Er selber hat kein Problem damit, auch Uniformen an die IS zu verkaufen. „Es spielt keine Rolle, wer und wo meine Kunden sind,“ so Abu Zakour. 

Die Netzfrauen hatten bereits vorgestern in ihrem Beitrag: Hinter der Fassade von Primark – Would You Still Buy That Dress After Watching This? darüber berichtet, dass in der Türkei für Primark syrische Flüchtlinge u. a. auch Kinder arbeiten. Im Februar 2016 hatte das Business & Human Rights Resource Center bestätigt, dass schätzungsweise 250 000 bis 400 000 syrische Flüchtlinge illegal in der Türkei arbeiten, darunter auch in Bekleidungsfabriken. Als sie weiter recherchierten, stellte sich heraus, dass diese syrische Kinder sogar Uniformen nähen müssen. Die Netzfrauen haben für uns einen aktuellen Beitrag von Reuters übersetzt. Bei weiterer Recherche fanden sie den Beitrag von Mailonline, welche bereits im Juni 2016 viele Fotos veröffentlichten, die beweisen, dass diese Kinder in der Tat für die IS-Terrorgruppe deren Uniformen nähen. Wie schrecklich muss es sein, dass man gerade für diese Menschen nähen muss, deretwegen sie ihre Heimat verlassen haben, und nun anstatt zur Schule zu gehen in unmenschlichen Fabriken für ein paar Euros nähen?

Die Netzfrauen haben bereits mehrfach über Erdogan und seine Machenschaften berichtet und auch über deren Verbindung zu den IS-Terrorgruppen. So soll Sümeyye Erdogan, die Tochter des Patriarchen, ein verstecktes Militärhospital besitzen, in dem die Kämpfer des IS behandelt werden. Mit Zustimmung Erdogans trainierten türkische Geheimdienstler in geheimen Militärbasen in der Konya-Provinz innerhalb der Türkei Islamisten. Mit dem dritten Sohn Erdogans, Bilal, kooperierten die Islamisten, um gestohlenes Öl über von ihm kontrollierte Häfen zu schmuggeln. Siehe: Treffen Sie den Mann, der ISIS finanziert: Bilal Erdogan, der Sohn des türkischen Präsidenten

Dass Erdogan mit den Flüchtlingen aus Syrien nicht zimperlich umgeht, zeigt schon die Mauer, die er errichten lässt. Da kommen einem die Erinnerungen der einstigen DDR in den Sinn. Siehe: Türkei erschießt elf Flüchtlinge aus Syrien, auch Frauen und Kinder! – Turkish border guards ’shot Syrian children‘. Sogar die NGO Ärzte ohne Grenzen nimmt keine EU-Gelder wegen des Türkei-Migrations-Deals an.

„Kindersklaven“ nähen Uniformen für Isis

Die syrischen Flüchtlingskinder werden in der Türkei ausgebeutet, sogar neun Jährige sollen unter ihnen sein. Sie arbeiten 12 Stunden am Tag und dass sie Uniformen nähen, bestätigen die Fotos von Mailonline. Ein aktueller Beitrag von Reuters bestätigt, dass in türkischen Ausbeuterbetrieben syrische Kinder nähen, um zu überleben.

„Während die islamistische Gruppe Ahrar al-Sham ihre Uniformen hellbraun bevorzugt, wollen die  Al-Qaida-syrischen Flügel Jabhat al-Nusra Militär-Grün“,  erklärt Abu Zakour in dem Beitrag von Mailonline. „Die Freie Syrische Armee (FSA) will ihre Kleidung wie Ahrar al-Sham … hellbraun und die ISIS zieht den Stil der Afghanen-Kleidung vor, aber manchmal tragen sie eher traditionelle Uniformen“, sagte er. Sein Stoff wird aus Istanbul importiert, wo türkische Textilfabriken amerikanische und russische Tarnstoffe replizieren, „je nach Bedarf.“ Die ISIS verwenden seit langem verschiedene Arten von Uniformen, um zwischen ihren Einheiten  unterscheiden zu können – alle schwarz für Paraden, mehr Shalwar Kameez „Afghani-Stil“ für  brutale ISIS-Exekutionskommandos und Front-Kämpfer und alle in unterschiedlichen Schattierungen von Tarnung und dem berüchtigten Schwarz.

Mailonline besuchte die Fabrik in der Grenzstadt Antakya, wo die Kinder für etwa 10 £ 12 Stunden am Tag arbeiten und nicht nur Uniformen nähen, sondern auch Rücksäcke u. s. w. Wir haben den Beitrag von Mailonline frei übersetzt, weitere Fotos könnt Ihr dem Beitrag: ‚Child slaves‘ making uniforms for Isis: Inside the Turkish sweatshop where children as young as nine work 12 hours a day stitching combat gear used in battle by Islamic State entnehmen. 

Am  26. Juli 2016 veröffentlichte Reuters ebenfalls einen Beitrag über syrische Kinder, die in der Türkei ausgebeutet werden, und zwar für die Textilindustrie:

Made in Turkey – In türkischen Ausbeuterbetrieben nähen syrische Kinder, um zu überleben

Um die Flut von Migranten nach Europa einzudämmen, hatte die Türkei zugestimmt, diese in Europa Unerwünschten zu beherbergen und zu beschützen. Aber es stellt sich heraus, dass Ankara wohl unfähig ist, alle seine syrischen Flüchtlingskinder zu beschützen. Viele arbeiten illegal, u. a. in der 40-Mrd-$-Textilindustrie.

ISTANBUL, Türkei – Muna Awwal möchte in die Schule gehen. Aber sie muss arbeiten. Muna sagt, sie sei zehn Jahre alt. Neun, verbessert sie ihr Vater Mahmud, während sie in der Wohnung der Familie im zweiten Stock in Istanbuls Textilbezirk sitzen.

Muna und ihre Familie kamen aus Syrien im Jahr 2013 in der Türkei an. Während der letzten Wochen half sie ihrem Vater und ihrem dreizehnjährigen Bruder Muhamed in einem Keller, den sie gemietet haben und in dem sie billige Tops, Kleider und T-Shirts für andere Textilzulieferer herstellen. Ihr Vater Mahmud sagt, dass einige der Kleider in Europa verkauft werden.

Die Familie stammt aus Aleppo und floh 2013 vor den Kämpfen, sagt er. Er scheucht seine Kinder aus dem Zimmer und setzt sich auf den Teppich. Jetzt ist er angewiesen auf die Hilfe von drei seiner fünf Kinder, um über die Runden zu kommen, sagt er. Die Lage von Awwals Familie ist kein Einzelfall und verstärkt die Zweifel an der Sicherheit der Türkei für Familien, die vor dem Krieg fliehen.

„Meine Kinder arbeiten zu lassen, widerstrebt mir und so geht es jedem anderen hier“, sagte Mahmud Awwal im Juni. „Das ist nicht gut. Aber wir haben keine Wahl. Hier in der Türkei ist das sehr verbreitet.“ Reuters traf über eine Reihe von Tagen im April 13 syrische Kinder in drei türkischen Städten, von denen alle sagten, dass sie arbeiten, Kleider oder Schuhe herstellen, und das, obwohl die Türkei Kinderarbeit (unter 15) verboten hat. Weitere vier Kinder, die älter als 15 waren, sagten, dass sie bis zu 15 Stunden am Tag arbeiten, sechs Tage die Woche, und das trotz eines Gesetzes, das Kindern bis 17 eine Arbeitswoche von maximal 40 Stunden vorschreibt. Dutzende weitere Kinder, die dort arbeiteten, wollten nicht reden.

Brüssel und Ankara hatten im März eine Vereinbarung getroffen, die es europäischen Ländern erlaubt, Migranten, die durch das Land auf ihrem Weg nach Europa gekommen waren, zurück in die Türkei zu schicken. Brüssel versprach bis zu 6 Mrd. € für die Migranten- und Flüchtlingshilfe. Die Vereinbarung beinhaltet, dass den zurückgeschickten Menschen Schutz nach internationalen Standards zusteht.

Die EU erklärt die Türkei zum sicheren Land: Noch im April nannte der Präsident des Europarats Donald Tusk „das beste Beispiel weltweit in der Behandlung der Flüchtlinge.“

Die Vereinigten Staaten sind sich diesbezüglich nicht so sicher. „Die Bemühungen, die wachsenden und sehr verwundbaren Flüchtlings- und Migrantengemeinschaften im Land zu beschützen, sind unangemessen“, sagte das Außenministerium in einem Bericht vom Juli.

Menschenrechtsgruppen nennen die Türkei alles andere als sicher. Gruppen wie Amnesty International haben Syrer dokumentiert, die beim versuchten Überqueren der Grenze in die Türkei beschossen wurden, die in unzumutbaren Verhältnissen leben oder die zurück ins Kampfgebiet deportiert wurden. Und sie vermerken Kinder, die oft nicht in die Schule gehen können und die wie im Libanon arbeiten müssen.

Die Türkei beherbergt mehr Flüchtlinge als jedes andere Land der Welt: 2,73 Millionen von ihnen sind Syrer nach der letzten Zählung und mehr als die Hälfte von ihnen sind unter 18. Ankara sagte, es habe mehr als 10 Milliarden $ ausgegeben, um Flüchtlingen zu helfen. Es erkennt sie nicht als Flüchtlinge an, aber wenigstens auf dem Papier bietet es denen, die sich registrieren lassen, Schutz, freie Ausbildung und elementare Gesundheitsfürsorge. Die Regierung streitet ab, Syrer gegen ihren Willen zurückgeschickt zu haben, und dass auf Flüchtlinge geschossen worden sei. Präsident Tayyip Erdogan sagte, einige Syrer könnten sogar die türkische Bürgerschaft erlangen.

Aber das Land müht sich ab, all die zusätzlichen Menschen unterzubringen, von denen nur 10 Prozent in Flüchtlingslagern leben. Im Mai gab das Bildungsministerium bekannt, dass etwa 665 000 syrische Kinder, die in der Türkei leben – eine Mehrheit von schulpflichtigen Kindern im Land – nicht zur Schule gingen. Von den sechs bis elf Jahre alten Kindern, die außerhalb der Lager leben, seien weniger als 15 Prozent in der Schule, teilte das türkische Management für Katastrophen und Notfälle mit.

Niemand kann schätzen, wie viele Kinder stattdessen arbeiten. Von rund 125 syrischen Haushalten mit Kindern, die von der türkischen Wohlfahrtsorganisation Support to Life zu Beginn des Jahres untersucht wurden, hatte jeder vierte wenigstens ein Kind, das nicht zur Schule gehen konnte, weil die Familie auf seinen Lohn angewiesen war. Die Hälfte dieser Kinder arbeiten in der Textilindustrie.

Stephanie Gee, Mitglied von Human Rights Watch, sagt, Europa ignoriere bedauerlicherweise das Problem des Schutzes von Kindern: „Wenn die Türkei nicht garantieren kann, dass syrische Kinder zur Schule gehen, ist das ganze Thema wirksamen Schutzes Makulatur.“

Die Europäische Kommission lehnte einen Kommentar hierzu ab. Eine EU-Quelle besagt, dass die Führung der EU „systematisch auf das zu kritisierende Phänomen der Kinderarbeit hingewiesen“ und die Türkei dazu aufgefordert habe, Maßnahmen dagegen zu treffen. Europa hat mehrere zehn Millionen Euro bereitgestellt, damit mehr syrische Kinder die Schule besuchen können.

Ein Beamter des Büros von Erdogan behauptete, der Westen müsse mehr tun. Europa hat nur rund 850 Syrer unter Maßgabe der o. g. Vereinbarung legal zurückgeschickt und 31 Syrer kehrten freiwillig in die Türkei zurück.

Die Türkei sei sicherer für Flüchtlinge als jedes andere Land, sagte er. Menschenrechtsgruppen sollten ihre Zeit und Energie darauf verwenden, andere Regierungen dazu aufzufordern, dem Beispiel der Türkei zu folgen, statt deren Bemühungen herunterzuspielen.

KINDERARBEIT

In der Türkei gibt es schon sehr lange Kinderarbeit. 2012, in dem letzten Jahr, für welches Daten vorliegen, arbeitete gemäß Ankara beinahe eine Million türkischer Kinder zwischen 6 und 17 Jahren. Viele von ihnen helfen bei der Herstellung von Kleidung, Textilien und Schuhen, Industriezweige, die 40 Milliarden $ pro Jahr zur Wirtschaft der Türkei beitragen und 2,5 Millionen Menschen beschäftigen – mehr als die Hälfte von ihnen als Hilfsarbeiter laut den Gewerkschaften.

Die Türkei exportiert Kleidung und Schuhe im Wert von 17 Mrd. $ pro Jahr, das meiste davon nach Europa, vor allem nach Deutschland.

Das Land war sein Kinderarbeitsproblem in den letzten paar Jahren angegangen, so Lotte Schuurmann, Kommunikationsexpertin der Fairwear Foundation (Stiftung für faire Kleidung), die sich darum bemüht, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, aber mit der Ankunft der syrischen Flüchtlinge habe die Kinderarbeit wieder zugenommen.

Syrer, insbesondere syrische Kinder werden unterbezahlt. In Gaziantep, einer Stadt im Süden nahe der syrischen Grenze, sagte ein dreißigjähriger Türke, der Selim als Namen angab, dass er früher 450 türkische Lire (155 $) pro Woche verdiente. Als die Syrer kamen, machte er sein eigenes Geschäft auf. Er stellte Kinder ein, die Tuchballen trugen, Tee brachten und zugeschnittene Stoffe stapelten. Er bezahlt jedem Kind 50 $ pro Woche. „Früher arbeiteten türkische Kinder hier, aber jetzt sind es nur syrische“, sagte Selim im hinteren Bereich seines Geschäfts. „Türkische Kinder taten es, um ausgebildet zu werden, aber die syrischen tun es nur des Geldes wegen.“

Syrer sagen, sie verdienen zwischen der Hälfte und einem Drittel dessen, was Türken für dieselbe Arbeit bekommen. Kinder seien noch billiger.

Alles in allem seien billige Flüchtlingsarbeiter eher ein Vorteil für die Türkei denn eine Last, sagt Harun Ozturkler von der Zentrale für strategische Studien im mittleren Osten in Ankara. Sie kurbelten Profite an, die zu neuen Investitionen führten. Laut Ozturkler und der Weltbank gebe es sogar Anzeichen dafür, dass einige türkische Arbeiter in besser bezahlte Jobs wechselten. Im letzten Jahr sei die Wirtschaft um 4 Prozent gewachsen.

Wenn Syrer ankommen, sollen sie sich bei ihrer örtlichen Polizeistation registrieren lassen, wo sie eine vorübergehende Schutzkarte erhalten, die ihnen das Bleiberecht gibt. Viele Menschen, mit denen Reuters sprach, sagten, dass sie sich nicht registrieren lassen konnten, weil sie dafür Bestechungsgeld von beinahe 70 $ zahlen müssen, was mehr ist, als sie bezahlen können. Der Beamte des Präsidenten behauptet hingegen, es gebe keine Probleme mit Registrierung und Gebühren würden auch nicht erhoben, aber es könnte Verzögerungen bei großem Andrang in manchen Gegenden geben.

Bis zu diesem Jahr erhielten Syrer keine Arbeitserlaubnis, weswegen sie unter der Hand arbeiteten. Ankara fing im Januar an, Arbeitsgenehmigungen zu erteilen, aber Ankara sagt, nur wenige seien qualifiziert, weil Arbeiter entweder selbstständig sein oder die Unterstützung ihres Arbeiters bekommen müssten, bei dem sie sich bewerben wollen.

Istanbul, April 2016: Eine Gruppe von halbwüchsigen Jungen strömte aus einem großen backsteinfarbenen Fabrikgebäude und rollte einen großen Metallkäfig in Richtung einer Reihe von Mülltonnen. Die Jungen gaben an, nicht bei der Regierung registriert zu sein. Sie sagten, sie verdienten rund 85 $ pro Woche für eine Arbeit, die sie des Nachts tun müssten und die aus Putzen und Verpacken von Schuhen bestünde. „Unser Boss ist meistens nett,“ sagte der 17-jährige Juma. „Wenn wir bis zum Morgen gearbeitet haben, kommt er, reißt ein paar Witze und gibt uns ein paar Butterbrote. Zu anderen Zeiten, wenn wir einen Auftrag haben, der schnell erfüllt werden muss, schreit er uns an.“ Der jüngste unter ihnen, Bashar, war 14 Jahre alt und hatte einen Oberlippenflaum. Er kam Anfang April nach der Flucht aus Aleppo an, sagte er. Sein Vater brachte ihn zur Grenze und bezahlte einem Schmuggler 300 $, damit dieser ihn alleine hinüberbrachte. Unterwegs beschossen ihn türkische Grenzhüter.

Menschenrechtsgruppen sagen, dass Dutzende von Menschen, die aus Syrien fliehen, verletzt wurden, angeblich durch Grenzwachen, die darauf aus sind, die Zahl der neu in der Türkei Ankommenden niedrig zu halten. Der Beamte des Präsidenten leugnete diese Vorwürfe und Reuters war nicht in der Lage, sie unabhängig zu überprüfen.

Bashar sagte, dass er vorgehabt hatte, die Hälfte seines Geldes seiner Familie zu schicken, zu der Vater, Mutter, zwei Schwestern und zwei Brüder gehören. Sie können nicht in Aleppo arbeiten, sagte er. „Sie mussten ihr Geschäft schließen.“

KONFLIKTTRÄCHTIGE TEXTILIEN?

Die Jungen gaben an, dass die Schuhe aus ihrer Fabrik mit dem Label von DeFacto gekennzeichnet würden, dem zweitgrößten Bekleidungsunternehmen der Türkei mit Niederlassungen in 11 Ländern, darunter Kasachstan, der Irak und Russland. Sie sagten, dass sie den Namen des Unternehmens, für das sie arbeiteten, nicht kannten. Ein Sprecher von DeFacto bezeichnet die Ausbeutung von Flüchtlingen als illegale Arbeitskräfte als vollkommen unannehmbar. Wenn unregistrierte Arbeiter in diesen Zulieferbetrieben gefunden würden, gebe DeFacto den Produzenten zunächst die Chance, dies zu ändern. Wenn jedoch Kinder gefunden würden, sei die Geschäftsbeziehung augenblicklich zu Ende.

Andere multinationale Unternehmen fanden heraus, dass Kinder für ihre Zulieferer arbeiteten. Firmen, darunter Esprit, Next und H&M gaben während einer Untersuchung an, die Anfang dieses Jahres von der NGO Business and Human Rights durchgeführt wurde, dass sie syrische Kinder gefunden hatten, die für sie in den letzten Jahren gearbeitet hatten, und machten sich daran, dies zu beheben. Um zu vermeiden, dass die Familien nun gar kein Geld mehr bekommen, versuchen einige von ihnen eine Kombination von Arbeit und Schule zu arrangieren.

Next und H&M teilte Reuters mit, sie hätten seitdem keine Syrer mehr gefunden. Esprit gab an, kürzlich weitere nicht registrierte Syrer in einem Zulieferbetrieb gefunden zu haben, aber keine Kinder.

Ein Spinnennetz von Subunternehmen ist ein Grund, warum die Zahl von syrischen Flüchtlingskindern, die in der Textilindustrie arbeiten, so schwer zu ermitteln ist.

Westliche Firmen setzen Rechnungsprüfer ein und verwenden Barcode-Technologie, um zu überprüfen, wo ihre Produkte hergestellt werden, aber es ist schwer, überall zu prüfen. Chefs von Ausbeuterbetrieben und örtliche Unternehmen geben an, dass die Prüfer sich ankündigen. Das macht es leicht, Kinder zu verstecken, fügen sie hinzu. Manche solcher Betriebe befinden sich in Kampfgebieten. Der größte Teil des meist kurdischen Südostens ist unsicher, nachdem ein Waffenstillstand im Sommer 2015 brach, was Hunderte Ziviltote und eine 24-stündige Ausgangssperre zur Folge hatte. Grenzstädte im Süden, wo viele Syrer leben und die durch Gewaltakte erschüttert werden, darunter einem Raketenbeschuss durch den IS, haben viele Bekleidungswerkstätten. Ein Gebiet im Südosten, Batman, brüstete sich in einer Veröffentlichung im Jahr 2014 damit, es sei „billiger als China“. Esprit teilte mit, einer seiner Zulieferer hätte empfohlen, einen Teil der Produktion in den Südosten zu verlegen, was Esprit ablehnte „wegen des Risikos, das mit der Entsendung von Arbeitnehmern in unsicheres Gebiet“ verbunden sei. Aktivisten sagen, dass Kämpfe es immer schwerer machen, Prüfungen im Süden und im Südosten vorzunehmen.

GEMEINSAMER MITTELSMANN

Familie Awwal wohnt und arbeitet in Zextinburnu, einem Industriegebiet mit mehrstöckigen Apartment-Blöcken aus Beton in Istanbul. Textilwerkstätten und -niederlassungen befinden sich im Erdgeschoss. In Mahmud Awwals Keller trägt Muna Tuchballen zwischen den Nähern hin und her. Ihr Bruder Muhamed arbeitet an den Maschinen. Die Kinder arbeiten 11 Stunden am Tag, sagt Awwal. Sie bekommen kein Geld.

Awwal bekam seine vorübergehende Schutzkarte bald, nachdem er 2013 angekommen war, sagt er. Zuerst hatte er einen untergeordneten Vertrag mit einem Türken und versuchte, die Kinder zur Schule zu schicken. Aber er konnte sie nicht anmelden, weil er nicht nachweisen konnte, wo er wohnt. Die Schule empfahl Awwar, einen örtlichen Beamten mitzubringen, der für ihn bürgen könnte, aber er konnte niemanden davon überzeugen, dies für ihn zu tun.

Dann haute der türkische Arbeiter ihn übers Ohr. Sein dreizehnjähriger Muhamed begann, in einem anderen Ausbeuterbetrieb für etwa 60 $ die Woche zu arbeiten, aber in einigen Wochen halbierte sein Chef sein Gehalt. Darum nahm Awwal seinen Sohn dort heraus und versuchte, zusammen mit anderen Syrern etwas auf die Beine zu stellen. Sein Geschäft ist nicht registriert, ebenso wenig seine Arbeiter.

Sein ältester Sohn Mustafa, der jetzt 15 ist, fand Arbeit bei einem Kurden namens Dogan. Wenn es genug Aufträge gibt, um jeden Tag arbeiten zu können, deckt der Wochenlohn des Jungen von 100 $ die Miete der Familie ab.

Dogan half Awwal auch, indem er ihn mit einem Mittelsmann zusammenbrachte, „auf diese Weise erfüllen wir beide unterschiedliche Aufträge für die selben Marken.“

Wenn es genügend Aufträge gibt, erwirtschaften Awwal und seine Kinder mit ihrer Familienwerkstatt 800 $ im Monat. Die Kleidungsstücke, die sie herstellen, sind u. a. T-Shirt-Kleider für ein örtliches Geschäft. Er zeigte dem Reporter ein Bild von einem Top mit einem Adidas-Label minderer Qualität, das er nicht lesen konnte. Ein Sprecher von Adidas bezeichnete diese Etiketten als klare Fälschung. Ein türkischer Regierungsbeamter teilte mit: „Zuständige Ministerien befassen sich bereits mit dieser Angelegenheit und bestrafen auch das kleinste Vergehen.“




Einsatzkräfte bereiten sich auf die Großdemo in Köln vor

Was hat Köln mit Erdogan zu tun? Und warum überhaupt in Deutschland demonstrieren?

Einsatzkräfte bereiten sich auf die Großdemo in Köln vor

© DPA
Einsatzkräfte bereiten sich in Köln auf die Großdemonstration vor.

Heute die Erdogan-Unterstützer, in ein paar Wochen die Kurden

Überhaupt stören sich die Kölner daran, dass immer häufiger „irgendwelche Gruppen“ in ihrer Stadt „für irgendwas“ demonstrieren. Im Frühjahr waren es Türken und Kurden, die am Hauptbahnhof und in der Altstadt demonstrierten, an diesem Wochenende die pro-Erdogan Demo von gigantischem Ausmaß und in ein paar Wochen wird es eine kurdische Großveranstaltung in der Lanxess Arena geben.

Lange war den vier Männern, wie den meisten Kölnern egal, wer demonstrierte, solange nichts passierte und sie selbst nichts damit zu tun hatten. Das Kölsche Prinzip „Leben und Leben lassen“ klingt tolerant – es ist aber vor allem ein Ausdruck von gelebtem Desinteresse. Bei dem speziellen Fall am Sonntag stören sich die Männer an der „Verherrlichung eines Alleinherrschers“, so drückt Frank es aus. „Der lässt Journalisten einsperren, schmeißt massenweise Leute raus und geht gegen seine Kritiker vor – so einen lassen wir auch noch huldigen“, sagt Frank. Er ist Busfahrer bei den Kölner Verkehrsbetrieben und schnauft zufrieden, wenn sagt, er müsse Sonntag nicht arbeiten. „Wenn die Massen kommen, wird das sicherlich das reinste Chaos.“

 

Die Stadt am Rhein ist Erdogans Zielgruppe

In Köln hat jeder Dritte einen Migrationshintergrund. Die größte Gruppe der Einwanderer sind die Türken, sie machen fast zehn Prozent der in Köln lebenden Menschen aus. Das ist einer der Gründe, wieso Großveranstaltungen mit Erdogan, wie vor zwei Jahren, am Rhein stattfinden – die Zielgruppe ist hier groß.

Hinzu kommt, dass viele türkischstämmige Mitglieder in gut organisierten Kulturvereinen sind, sich in den Stadtteilen engagieren oder im Bezirksrat sitzen. Wie gut organisiert die Community ist, zeigt ein Blick auf die Liste der Organisatoren: Fast 80 Vereine sind an der Großdemonstration am Sonntag beteiligt.

Der Ärger vieler Kölner scheint aber auch damit zusammenzuhängen, dass die Situation am Sonntag durchaus eskalieren könnte. Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Matthies spricht von „hochemotionalisierten“ Erdogan-Anhängern, die sich zur Demo einfinden. Die Oberbürgermeisterin der Stadt, Henriette Reker sagte, sie habe im Voraus viele besorgte Briefe und Nachrichten von Bürgern erhalten. Als am Samstagmorgen am Ort der geplanten Demonstration über Nacht Graffiti aufgetaucht waren, bat die Polizei abermals um Zurückhaltung. Innerhalb weniger Stunden wurden Sprüche wie „Fuck AKP“ und „Kill Erdogan“ mit Farbe überstrichen. Bloß keine Provokation.

In einem Eiscafé um die Ecke sitzen Melanie Münchau und ihr Freund Simon, beide wohnen an der Deutzer Freiheit. Am Sonntagnachmittag wollen sie die Demonstration vom Fenster im vierten Stock aus beobachten. „Ich will auf keinen Fall das Haus verlassen“, sagt Münchau. Das Risiko sei ihr zu groß, dass etwas geschieht. Sie rechnet fest mit einer Eskalation. Wirklich begründet sei ihre Sorge nicht, sagt sie. „Aber ich habe verfolgt, was in der Putschnacht in Istanbul passiert ist.“ Jetzt hätte sie das Gefühl, dass die Auseinandersetzung nach Köln gebracht würde – „Wut und Gewalt inklusive“, sagt sie.

Dabei wird das eigentliche Störpotential von Experten vergleichsweise gering eingeschätzt. Die Erdogan-Gegner und die Anhänger trennt der Rhein. Auf der rechten Rheinseite, der sogenannten „Schäl Sick“, kommen auf dem Gelände der Deutzer Werft die Erdogan-Anhänger zusammen, die gegen den versuchten Militärputsch demonstrieren wollen. Mit mindestens 20.000 Demonstranten wird gerechnet, die teilweise mit Bussen, teilweise mit Zügen und Privatwagen anreisen. Der Deutzer Bahnhof, der neben der Messe liegt, wird der Ankunftsort sein.