Wüstenstaat mit Ambitionen zum 3. Weltkrieg

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Der Wüstenstaat Saudi-Arabien

Im Syrien-Konflikt mischt Saudi-Arabien neben der Türkei kräftig mit. Die Rolle des engen US-Alliierten ist mehr als ambivalent. Da gefällt die historische Annäherung zwischen Riad und Washington im Mittleren und Nahen Osten nicht allen. Eine Analyse des saudi-arabischen Einflusses in dieser Region.

Der Nahe und der Mittlere Osten sind ein Pulverfass, alte Regime werden gestürzt, Grenzen bröckeln, Kräfte verschieben sich. Wo alles in Bewegung ist, muss auch Saudi-Arabien handeln. Außenpolitisch hat das streng sunnitische Königreich seit dem Ende Sadam Husseins an Boden verloren. Von Iran über Irak, Syrien und die von der Hisbollah im Libanon beherrschten Gebiete haben die Schiiten Einfluss gewonnen. Im Syrien-Konflikt versucht nun Saudi-Arabien als enger Verbündeter der USA, das Regime in Damaskus mit der Türkei zu Fall zu bringen – und damit gleichzeitig den Iran zu schwächen. Denn Riad und Teheran konkurrieren erbittert um die Vormachtstellung in der Region. Die enge Allianz zwischen den USA und Saudi-Arabien ist in beider Interesse, doch sie könnte problematischer und gefährlicher nicht sein.

Gute Zusammenarbeit

Saudi-Arabien erkennt das Existenzrecht Israels an. Es arbeitet sogar auf Geheimdienstebene eng mit dem Mossad zusammen, um zum Beispiel Informationen über Irans Atomprogramm auszutauschen. Gerüchten zufolge würde Saudi-Arabien der israelischen Luftwaffe sogar Überflugrechte für einen eventuellen Angriff auf die iranischen Atomanlagen erteilen. Zudem arbeitet das Königreich seit Jahrzehnten wirtschaftlich eng mit den USA zusammen und hat sich schon oft als Bündnispartner (auch für Deutschland) für geostrategische und wirtschaftliche Interessen bewährt.

 

Wie die USA nach Saudi-Arabien kamen

Es war das Öl, das Amerikaner in die Wüste lockte. In den 1930er Jahren erhielt die Standar Oil of California die erste Bohrkonzession von König Ibn Saud. Saudi-Arabien war niemals kolonisiert worden und damit der “weiße Fleck” auf der Landkarte, den USA damals so dringend suchten. Andere arabische Gebiete standen nach dem Ende des Osmanischen Reiches unter britischer oder französischer Herrschaft. Das erste große Erdölfeld wurde 1938 entdeckt. Seit 1944 besteht die Arabian American Oil Company (ARAMCO).

Von Roosevelt zur Carter-Doktrin

Der Treibstoff des Zweiten Weltkriegs war das Öl. 1945 begründeten US-Präsident Theodore Roosevelt und König Ibn Saud ein enges Verhältnis ihrer beiden Länder. 35 Jahre später war es US-Präsident Jimmy Carter, der die Region am Persischen Golf als “lebenswichtig” für die USA definierte. Jeder Versuch einer anderen Macht, dort Kontrolle zu erlangen, würde auch mit militärischen Mitteln unterdrückt. Die Carter-Doktrin von 1980 gilt noch heute. Seit 1945 fochten die beiden ungleichen Alliierten viele gemeinsame Kämpfe aus – gegen den arabischen Sozialismus Nassers in Ägypten, gegen den Kommunismus und die Sowjetunion, gegen Khomeini und die Regime der Baath-Parteien im Irak und jetzt in Syrien. Seit dem ersten Golfkrieg sind US-Truppen in Saudi-Arabien stationiert, das selbst nur eine 115.000 Mann starke Armee unterhält.

Nicht mehr nur Öl

Im Gegenzug erhielt Saudi-Arabien Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Damit finanzierte sich die zwischen 6.000 und 20.000 Personen zählende Herrscherfamilie. Damit finanzierte die Saud-Dynastie aber auch ihre Untertanen und festigte so ihre Macht. Die Nachfahren der Beduinen taten sich schwer mit körperlicher Arbeit, sie überließen diese gerne Ausländern und den Schiiten im Nordosten. Die Höhe von Ölpreis und Fördermenge bestimmt seither das staatliche Budget. Erst langsam wird diese prekäre Abhängigkeit abgebaut. Neue Geschäftszweige entstehen. So entstehen neben den Pilgerstätten in Mekka gerade Kaufhallen für Gläubige aus aller Welt. Reserven aus Zeiten sprudelnder Öleinnahmen, insgesamt 700 Miliarden US-Dollar, sollen saudische Investoren laut Fachzeitschrift “The Middleeast” in den USA angelegt haben.

Wahhabismus für immer?

Die eng verflochtenen Partner haben außer Interessen nichts gemein. Ihre Gegensätze könnten größer nicht sein. Saudi-Arabien ist ein autokratisches, von einer Familie regiertes Staatsgebilde. Rigide Gesetze regeln selbst den Alltag. Ihre Einhaltung kontrollieren Sicherheitsdienste, darunter die „Religionspolizei“. Die weltweit einmalige Stellung der Religion geht auf die Gründung der Saud-Dynastie 1744 zurück. Seitdem ist der Wahhabismus Staatsreligion – eine stark radikale, nur den Text von Koran und Sunna als Grundlage akzeptierende Form des Islam. Sie wird seither in Saudi-Arabien staatlich geschützt und sogar verbreitet. Aus dieser Symbiose mit der Geistlichkeit bezieht der Herrscher große Macht. Er ist aber auch darauf angewiesen, dass die Staatsraison dem Wahhabismus nicht entgegensteht und die Untertanen diese Symbiose akzeptieren. Menschenrechte werden in dieser Autokratie keinesfalls eingehalten, es stört sich allerdings keiner der Partnerstaaten daran, um nicht die geopolitischen Interessen zu gefährden! Auf gut deutsch heißt das, dass für Saudi Arabien keine der Regeln der Vereinten Nationen zutreffen, sie aber nun für die Aufsicht der Menschenrechte für die Vereinten Nationen zuständig sind!

Sprengstoff Geschichte

Der Wahhabismus will expandieren. Sein Missionierungseifer ist ungebrochen. Seit 1744 nutzte das Ibn Saud, um seine Herrschaft über die Arabische Halbinsel zu festigen. Er gründete die Ikhwan-Milizen. Diese Glaubenskrieger waren erst eine Hilfe, dann begann ihre Militanz zu schaden. 1929 wurden sie militärisch zerschlagen, doch ihr Geist lebt weiter in Saudi-Arabien. Er ist die Wiege des Dschihadismus. Die Scharia wird zum Teil mit Gewalt exportiert. Al-Kaida steht für diese Strategie, eine Gefahr für das Königshaus. Auf der Grenze balancieren die Salafisten. Die Scharia wird aber auch vom Staat und von reichen Gönnern exportiert. Ihre Mittel sind Wohlfahrtsleistungen und der Bau riesiger Moscheen, zu sehen in Bosnien, Deutschland, Frankreich, in aller Welt. 2002 gab Saudi-Arabien dafür der Zeitschrift “Internationale Politik” zufolge 70 Milliarden Dollar dafür aus.

Aktuelle Spannungen

Wenn das Herrscherhaus die Vorgaben des puritanischen Wahhabismus nicht respektiert, riskiert es den Aufstand. Wie 1979, als Islamisten in der Ikhwan-Tradition in Mekka tausende Pilger als Geiseln nahmen. Der Fall wurde unter Einsatz schwerer Gewalt beendet. Neben dem Druck der religiösen Fundamenatlisten kommt auch – weitaus geringer – Druck von Modernisierern. Unternehmer, gut oft im Westen ausgebildete Kräfte und Intellektuelle fordern bürgerliche Freiheiten ein. König Abdullah richtete einen “Nationalen Dialog” mit allen Gruppen ein, um die Spannungen abzupuffern.

Schiiten und der Syrien-Konflikt

Dazu war auch die schiitische Opposition eingeladen. Ihre Lage ist schwierig, denn für den – sunnitischen – Wahhabismus in der Nachfolge Mohammeds sind die Schiiten eine Sekte außerhalb des Islam. Hier liegt auch die Verbindung mit dem Syrien-Konflikt. Das Assad-Regime wird von Alawiten getragen, und das sind Schiiten. In Syrien unterstützt Saudi-Arabien die konservative sunnitische Opposition und die Muslimbrüder. Es liefert Waffen wie Katar und die Türkei. Der CIA berät dabei, welche Gruppen sie bekommen. Al-Kaida hätte sicher gerne welche. Wie in Syrien benutzen die Islamisten jede Instabilität, um dort Unruhe durch Gewalt zu stiften. Auf eigene Faust sammeln in Saudi-Arabien auch die Salafisten eifrig für die syrische Opposition. In Riad wächst die Sorge, dass damit auch Dschihadisten aufgerüstet werden.

Ganz aktuell und höchst brisant

Wie die Seite „Infowars“ berichtet, hat Saudi Arabien offen damit gedroht dass wenn es keine politische Lösung mit dem Problem „Bashar al Assad“ geben wird, sie ihn mit Gewalt stürzen werden! Russland hatte davor gewarnt und falls Saudia Arabiens Truppen, oder die der Türkei in Syrien einmarschieren sollten, diese Aktion als Angriff und Kriegsgrund gelten werde. Gerüchten zufolge soll Saudi Arabien bereits 350.000 Soldaten und 20.000 gepanzerte Fahrzeuge in Gefechtsbereitschaft versetzt haben.

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