Briten verärgert über Obamas Einmischung

EIN ARTIKEL DER NEOPRESSE
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Präsident Obamas Besuch im Vereinigten Königreich hat sich hauptsächlich darum gedreht, dass er Werbung gegen die Brexit-Abstimmung machte und forderte, dass Britannien Teil der Europäischen Union bleiben müsse, und sogar damit drohte, Britannien zu bestrafen, wenn die Briten für den Austritt stimmen.

Von Klaus Madersbacher – Obwohl Obama schon vorher eine Präferenz für ein vereintes Europa zum Ausdruck gebracht hat, wird angenommen, dass er von Premierminister David Cameron unter Druck gesetzt wurde, das Wahlvolk während seines Besuchs „einzuschüchtern,“ nachdem Umfragen gezeigt haben, dass ungefähr jeweils die Hälfte die britischen Wähler in dieser Angelegenheit verschiedener Meinung ist.

Sie werden verschiedener Ansicht sein in Sachen EU-Austritt, sind sich aber einig in der Mehrheit, dass Präsident Obama sich nicht einmischen soll, wobei viele sagen, dass Obama sich um seine eigenen Probleme kümmern soll. Während die Brexit-Befürworter Obamas Äußerungen lautstark als scheinheilig verurteilen, sagen viele von denen, die Obamas Auffassung teilen, dass sie sich über die „Bevormundung“ durch Obama ärgern.

Schlimmer noch, sie sagen, dass Obamas Kommentare leicht zurückschlagen und die Kampagne für den EU-Austritt stärken könnten, und sei es nur, um es dem Führer aus dem Ausland heimzuzahlen, der nach London kommt, um Forderungen zu stellen. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ähnliche „Warnungen“ in anderen Ländern vor Wahlen erlebt, die dann mager ausgefallen sind.

Ironischerweise brachte anfänglich David Cameron die Variante ins Gespräch, aus der EU auszutreten, um zu versuchen, bessere Bedingungen mit der Union auszuverhandeln, je mehr aber der Disput darüber anwuchs, desto verzweifelter musste er versuchen sicherzustellen, dass die Abstimmung nicht durchging, indem er vor einer wirtschaftlichen Katastrophe für den Fall warnte, dass das Vereinigte Königreich austritt.


Briten wetten auf BREXIT

Indess wetten die Briten auf den BREXIT

Nach den klaren Worten des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, mit denen er sich gegen einen Austritt Großbritanniens aus der EU aussprach, scheint noch mehr Briten die Lust auf den „Brexit“ zu vergehen. Das zeigt sich nicht zuletzt dort, wo sich das Meinungsbild der Briten von jeher niederschlägt: bei den Buchmachern. Dort hatte der „Brexit“ ohnehin einen schweren Stand.

Nun zeigt sich die Tendenz noch deutlicher: Vor einer Woche noch ergab sich aus den Wetteinsätzen eine Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent dafür, dass Britannien in der EU bleibt – infolge des Obama-Besuchs und der Reaktionen auf der Insel hat sich dieser Wert nun auf 75 Prozent erhöht. Damit liegt die so abgeleitete Zustimmung zur EU wieder oberhalb des Niveaus von Anfang März, als die „Brexit“-Befürworter schon einmal schärferen Gegenwind verspürten.

Hat Obama was gegen das Empire?

 

Wer gegen den Brexit wettet, dem bietet die Online-Wettbörse Betfair derzeit eine Quote von 3 für 10: Für einen Einsatz von 10 Pfund erhält man im Gewinnfall 13 Pfund zurück. Auch der Buchmacher Ladbrokes stellt dieselben Quoten, nicht zuletzt weil auch die als chancenreich angesehene potentielle demokratische amerikanische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton für einen Verbleib der Briten in der Gemeinschaft wirbt. Ladbrokes-Sprecherin Jessica Bridge sieht die Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib zur Zeit täglich steigen.

Besonders Obamas Äußerung, dass ein Austritt aus der EU auch ein Freihandelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich verzögern würde, ist im Brexit-Camp schlecht angekommen. Londons Bürgermeister Boris Johnson schrieb einen Aufsehen erregenden Gastbeitrag für die Boulevardzeitung „The Sun“, mit dem er dem Aufruf Obamas zum Verbleib Großbritanniens in der EU entgegentreten wollte. Im Zusammenhang mit der Entfernung einer Büste des legendären britischen Premierministers Winston Churchill aus dem „Oval Office“ des Weißen Hauses schrieb Johnson, manche würden dies mit der teilweise kenianischen Herkunft des Präsidenten Obama und einer Abneigung gegen das britische Kolonialreich erklären, für das Churchill eingetreten sei.

Britische Oppositionspolitiker empfanden die Bezugnahme auf Obamas Herkunft als unangemessen. Die Labour-Abgeordnete Diane Abbott bezeichnete sie als „beleidigend“. Johnson begebe sich damit in die Nähe der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung in den Vereinigten Staaten. Auch die Finanzmärkte sehen den „Brexit“ nun als unwahrscheinlicher an. Das zeigt der aufwertende Kurs der britischen Währung: An diesem Dienstag müssen nur 77,5 Pence für einen Euro bezahlt werden, so wenig wie zuletzt vor sechs Wochen. Und mit 1,4571 Dollar steht das Pfund auf einem Zehn-Wochen-Hoch.

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