Deutschland – overview

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Inhalt/ Deutschland – Overview

1. Deutschlands Entwicklung zum Industriestaat
2. Erster Weltkrieg und Arbeiterbewegung
3. Die unsicheren Jahre der Weimarer Republik 1918 – 1924
4. Der Versailler Vertrag, Dawes-Plan und Young-Plan
5. Weltwirtschaftskrise
6. Deutsche Wirtschaftsgrößen und Wegbereiter der Nationalsozialisten
7. Der Kepler-Kreis
8. Hjalmar Schacht – Finanzpolitik und Appeasement

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1. Deutschlands Entwicklung zum Industriestaat

Um 1790 gab es in der Region des späteren Deutschen Reiches ca. 1.800 Zollgrenzen, in der sich die feudalistische Kleinstaaterei widerspiegelte. Zur Verbesserung der ökonomischen Rahmenbedingungen und zur Schaffung eines einheitlichen Binnenmarktes wurde bereits 1833 der preußisch dominierte Zollverein gegründet. Als Reaktion auf die restaurative und repressive Politik der Herrscherhäuser der Habsburger und Bourbonen kam es 1848/49 in den Staaten des Deutschen Bundes und in vielen anderen europäischen Regionen zu revolutionären Aufständen in deren Folge sich das aufstrebende Bürgertum als ein politisch und wirtschaftlich einflussreicher Machtfaktor neben der Aristokratie etablieren konnte. Die ursprüngliche nationalstaatliche Zielsetzung der deutschen Märzrevolution, von demokratischen und sozialrevolutionären Impulsen beflügelt, wurde bis Juli 1849 überwiegend von preußischen und österreichischen Truppen mit militärischer Gewalt niedergeschlagen. Die Repressionen der Konterrevolution führten zu einer bis dahin nicht gekannten Auswanderungswelle aus Europa, überwiegend in die USA und nach Australien. Allein im damaligen Großherzogtum Baden sollen um die 80 000 Menschen ihre ursprüngliche Heimat verlassen haben. Die Idee des deutschen Nationalstaates mit Verfassung und Parlament, wurde schließlich von den herrschenden konservativen Kräften unter der Ägide des militarisierten Preußens von oben durch- und umgesetzt. Mit Otto von Bismarck als Ministerpräsidenten führte Preußen die drei sogenannten „deutsche Einigungskriege“ – 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und gegen Frankreich(1870/1871). Im Jahr 1871 wurde nach dem Sieg über Frankreich das Deutsche Reich mit König Wilhelm I. von Preußen als Deutschem Kaiser ausgerufen.

Begünstigt durch eine liberale Wirtschaftspolitik im Deutschen Bund wurden nach 1850 zahlreiche neue Unternehmen, Banken und Aktiengesellschaften ins Leben gerufen. Mit den sich daraus entwickelnden neuen Typus des Großunternehmens und Konzerns wurde der Familienverband als Organisationsmodell der Firmenleitung nach und nach abgelöst und durch Manager, Vorstände und Aufsichtsräte ersetzt und professionalisiert. Die industrielle Entwicklung in Deutschland erlangte eine bis dahin nicht gekannte Dynamik. Treibende Kräfte waren neben dem Eisenbahnbau und der Schwerindustrie, bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen und die daraus resultierenden technischen Innovationen. Mit der Reform des Deutschen Zollvereins 1867 entstand ein Großwirtschaftsraum, der den Aufstieg des 1871 gegründeten Kaiserreichs zur industriellen Großmacht einleitete. Um 1907 hatte Deutschland in Bezug auf die industrielle Entwicklung zu Großbritannien aufgeschlossen. Auf den Weltmärkten für Erzeugnisse der elektrotechnischen und der chemischen Industrie nahm das Land seit Ende 19. Jh. eine führende Stellung ein, im Bereich der Eisen- und Stahlindustrie hatte es mit Großbritannien gleich gezogen. Der Eisenbahnbau stimulierte in Deutschland die Montan- und Maschinenbauindustrie und trug entscheidend zur wirtschaftlichen Dynamik bei. Das Ruhrgebiet mit seiner Steinkohleförderung und Stahlproduktion entwickelte sich zum größten Industrierevier Europas. Von 1850 bis 1875 stieg die Kohleförderung des Ruhrgebietes von knapp 2 auf rund 17 Millionen Tonnen, die Zahl der im Bergbau Beschäftigten wuchs von 12.300 auf fast 82.000.

Die chemische Industrie war vor allem aus der Textilindustrie entstanden, wo im Textildruck seit dem spätem 18. Jh. eine zunehmende systematische Produktion von chemischen Wissen und Verfahren stattfand, die in der Synthesierung der Farbstoffe mündete. Auf der Basis des Know-hows in der Farbenindustrie entwickelte sich ab den 1890er die synthetische pharmazeutische Industrie. Die Herstellung von Explosivstoffen und Kunstdünger stellte ein drittes, sich stark entwickelndes Geschäftsfeld dar. 1913 besaß die chemische Industrie einen Anteil von 8,9% an der Gesamtproduktion des Industriesektors. Im gleichen Jahr stammten ca. 83% der Weltproduktion von Teerfarben aus Deutschland. In GB wurden 75% der Farbenpatente von Deutschen gehalten, in den USA 79%. Die elektrotechnische Industrie wuchs ab den 1880ern mit der Verbreitung der von der Elektrizität abhängigen Anwendungen, wie die elektrische Beleuchtung und deren Verteilernetzwerken, Straßenbahnen, Telefone und Motoren. Der Sektor war aufgrund der hohen Forschungs- u. Kapitalintensität vom Beginn an durch eine hohe Unternehmenskonzentration gekennzeichnet: 1910 entfielen 75% der Produktion auf die zwei führenden Unternehmen AEG und Siemens. Der Arbeitskräftebedarf bei Siemens stieg zwischen 1875–1895 von 1157 auf 23.321 Beschäftigte.1913 betrug der Anteil Deutschlands an der Weltproduktion elektrotechnischer Produkte ca. 35%, der Anteil an den Weltexporten lag bei ca. 46%.

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Revolution_1848/1849

https://www.wiwi.unimuenster.de/wisoge/md/personen/pfister/Vorlesungsdateien/Deutsche_Wirtschaft_seit_1850/S10-Hochindustrialisierung.pdf

„Unternehmungsverflechtung im organisierten Kapitalismus – Deutschland und USA im Vergleich 1896 – 1938“; Paul Windolf https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb4/prof/SOZ/APO/20-020.pdf

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2. Weltkrieg und Arbeiterbewegung

Die Sozialdemokraten (1875 Gründung der SPD) stellten, obwohl sie lange Zeit durch das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ (1878 – 1890) in ihrer politischen Arbeit massiv behindert wurden, 1912 erstmals die stärkste Reichstagsfraktion. Die Bedeutung der organisierten Arbeiterbewegung wuchs mit der fortschreitenden Industrieentwicklung des Deutschen Reiches. Von 1871 bis 1914 versechsfachte Deutschland seine industrielle Produktion. Im Zuge dieser Entwicklung baute Deutschland die Kapazitäten seiner Handels- und Kriegsmarine massiv aus und wurde u.a. von England als gefährlicher Konkurrent wahrgenommen. Bereits 1912 war man in Kreisen deutscher Militärs und Politiker von der Unabwendbarkeit eines gesamteuropäischen Krieges überzeugt, während sich die Sozialdemokratie als entschiedener Kriegsgegner positionierte, die Rüstungsanstrengungen verurteilte und noch knapp einen Monat vor Kriegsausbruch große Anti-Kriegsdemonstrationen organisierte. Umso überraschender war es für viele der damaligen Zeitgenossen, das die Reichstagsfraktion der SPD mit ihrer Zustimmung zu den Kriegsanleihen, auf einmal einen entgegengesetzten Kurs vorgab.

Nach Kriegsbeginn hob die Reichsregierung die gesetzlich verankerte Dritteldeckung der deutschen Währung durch Gold auf, umso zur Kriegsfinanzierung neue Möglichkeiten zur Schuldenaufnahme und zur Vermehrung der Geldmenge mittels Notenpresse zu bekommen. Diese Vorgehensweise sollte durch Kriegsanleihen anstatt durch Steuern gegenfinanziert werden. Anders als in Großbritannien und Frankreich, wo der Krieg überwiegend durch Vermögenssteuern finanziert wurde, sollten diese Kriegsanleihen nach dem Sieg durch Reparationszahlungen der unterlegenen Staaten abgelöst werden. In Deutschland wurden zwischen 1914 und 1918 insgesamt neun Kriegsanleihen ausgegeben, die 98 Milliarden Mark einbrachten und etwa 60 % der deutschen Kriegskosten deckten. Kriegsgegner, wie Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und andere, die gegen die Bewilligung der Kriegskredite stimmten, wurden aus der SPD ausgeschlossen und 1916 teilweise zu langen Haftstrafen verurteilt. Damit war der Grundstein für die spätere Abspaltung der USPD (Unabhängige SPD) von der SPD gelegt.

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Die USPD wurde 1917 gegründet und spielte während der Novemberrevolution 1918 eine bedeutende Rolle. Die Partei befürwortete, im Gegensatz zu den gemäßigten Sozialdemokraten, die sich für eine parlamentarische Demokratie aussprachen, das Rätesystem. In Bayern und in Sachsen stellten sie mit Kurt Eisner und Richard Lipinski die Ministerpräsidenten. Im Gründungsjahr 1917 gehörten der USPD ca. 100.000 Menschen an. 1920 erreichte die Mitgliederzahl fast 900.000, dann setzte allerdings der schnelle Zerfall der Partei ein. Es gelang ihr nicht, sich zwischen der Kommunistischen Partei und der SPD eigenständig zu positionieren. Ab Ende 1920 kehrten viele Mitglieder in die SPD zurück.

Die revolutionären Kriegsgegner bildeten 1916 die „Gruppe Internationale“, aus der der Spartakusbund hervorging. Dieser bildete bis zum Kriegsende den linksradikalen Flügel der USPD. 1919 wurde aus dem Spartakusbund und anderen linksrevolutionären Gruppierungen die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gegründet. Damit war die endgültige Spaltung der Sozialdemokratie in eine kommunistische und eine reformorientierte Partei vollzogen. Der anfängliche „Hurra-Patriotismus“ bei Kriegsbeginn machte bald der Ernüchterung Platz, nachdem das Ausmaß des Massensterbens durch die veränderten Paradigmen der Industrialisierung und Kriegstechnologie bekannt wurde. Versorgungsengpässe, steigende Lebensmittelpreise und rigorose Kontrollen, ob Nahrungsmittel- und Rohstoff-Lagerbestände korrekt angezeigt wurden, führten langfristig zu Unmut und Kriegsmüdigkeit bei der Bevölkerung. Während die Soldaten über das Kriegsernährungsamt mit Lebensmitteln versorgt wurden, verschlechterte sich die Situation der Zivilbevölkerung zunehmend. Die Nahrungsmittelproduktion ging aufgrund des Arbeitskräftemangels und den Anforderungen der Kriegslogistik dramatisch zurück. Geschätzt um die 700 000 Deutsche starben im Zeitraum 1914 – 1918 an Hunger, bzw. den Folgen der Unterernährung, so kam es schon 1915 zu ersten Hungeraufständen, bei denen reguläre Armeeeinheiten gegen die Bevölkerung eingesetzt wurden.

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3. Die unsicheren Jahre der Weimarer Republik 1918 – 1924

Im Oktober 1918 fanden mit den Entente-Staaten erste Gespräche über einen Waffenstillstand statt, währenddessen plante die deutsche Flottenadmiralität ein letztes „ehrenvolles“ Gefecht gegen die überlegenen britischen Seestreitkräfte. Dies wurde mittels Sabotage und Meuterei durch Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel verhindert, die sich weigerten sich in den letzten Kriegsmonaten in den Tod schicken zu lassen. Dieser Matrosenaufstand griff auf weitere Militärverbände und die Arbeiterschaft über und lieferte die Initialzündung für die Novemberrevolution 1918, bei der sich praktisch in allen größeren deutschen Städten revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte bildeten. Am 9. November 1918 erfolgte die Ausrufung der Republik. Kaiser Wilhelm II. dankte ab und am 11. November fand die Unterzeichnung des Waffenstillstands statt. Am 10. November bildeten SPD und USPD den „Rat der Volksbeauftragten“. Die Oberste Heerleitung (OHL) erklärte sich loyal gegenüber der neuen Regierung – im Gegenzug wurde ihr die Autonomie der militärischen Führung zugesichert. So konnte die Sozialdemokratie in der Folgezeit das Konzept einer parlamentarischen Demokratie und ihren Machtanspruch vor allem gegen diejenigen sozialrevolutionären Kräfte durchsetzen, die – motiviert durch die erfolgreiche Revolution in Russland – einen ähnlichen Umbau der Gesellschaft in Form einer Räterepublik einforderten.

Bereits im Dezember 1918 wurden in Berlin reguläre Truppen gegen revolutionäre Arbeiter und Soldaten eingesetzt, ein weiteres Mal beim sogenannten Spartakusaufstand, bei dessen Niederschlagung Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von rechten Freikorps ermordet wurden. Aufgrund der damaligen Zustände in Berlin wurde die am 19. Januar 1919 gewählte Nationalversammlung nach Weimar verlegt und gab der Republik damit ihren Namen. Bei weiteren Kämpfen im März `19 im Zuge eines ausgerufenen Generalstreiks verloren in Berlin fast 1200 Menschen ihr Leben. Wie der Aufstand in Berlin konnte auch die von der USPD Anfang April 1919 proklamierte Münchner Räterepublik nur mit Unterstützung der Armee und flankiert von brutalen Einsätze der Freikorpsformationen niedergeschlagen werden.

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„Am Wochenende des 9./10. März 1919 wird nach einer gezielten Falschmeldung in den bürgerlichen Zeitungen Berlins mit Schlagzeilen wie „Furchtbarer Massenmord durch Spartakisten in der Warschauer Straße“, „Sechzig Kriminalbeamte und viele Gefangene erschossen!“ das Berliner Stadtviertel Lichtenberg von Freikorpsverbanden umzingelt, werden einzelne Häuserviertel abgeriegelt. Ein Massenmord beginnt. Die Regierung teilt später mit, es seien 1200 Spartakisten umgekommen. Genauere Untersuchungen ergaben über 2000 Tote. Viele Familien hatten ihre Angehörigen, die in den Wohnungen oder auf den Höfen ermordet worden waren, beim Standesamt aus Furcht vor Repressalien als „UnfalItote“ eintragen lassen. Als die Leichen der angeblich von den Spartakisten ermordeten Kriminalbeamten sich nicht auffinden ließen, stellte sich heraus, daß die Meldung, die die Zeitungsberichte und die aus ihnen resultierende Vergeltungsaktion ausgelöst hatte, aus eben jenem Hauptquartier der Garde-KavalIerie-Schützendivision im Eden-Hotel gekommen war, die auch die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs ausgeführt hatte, Es handelte sich also um eine gezielte Aktion mit der Absicht, eine gewisse Berechtigung für das Vorgehen des Freikorpsverbandes in Lichtenberg geltend machen zu können.“

„Rosa Luxemburg“, Hg.: Kristine von Soden, Elefanten Press Verlag, Berlin, 1995

Im März 1920 versuchten rechtsgerichtete Militärs mit dem sogenannten Kapp-Putsch in Berlin die Regierung zu übernehmen. Dies führte zu einem parteiübergreifenden Generalstreik – dem größten in der deutschen Geschichte – an dem sich 12 Millionen Menschen beteiligten und der maßgeblich zum Scheitern des Putsches beitrug. Die den Generalstreik unterstützenden Gewerkschaften setzten zunächst den Streik mit weitergehenden Forderungen, darunter die Sozialisierung von Betrieben und Enteignung von Großagrariern, fort, wurden dann aber von der SPD ausgebremst. In Thüringen, Sachsen und vor allem im Ruhrgebiet hatten sich zur Abwehr des Kapp-Putsches bewaffnete Formationen gebildet, so die Rote Ruhrarmee, die mehr als 50.000 Mann umfasste und der es gelang die rechtsgerichteten Freikorpsverbände aus der gesamten Region heraus zu drängen. Diese beharrten auf die im Generalstreik formulierten Forderungen und widersetzten sich der Aufforderung zur Auflösung – bis sie dann von der regulären Reichswehr und wiederum Freikorpsverbänden unter Einsatz massiver Waffengewalt zerschlagen wurden.

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Wirtschaftlich befand sich Deutschland in einer desolaten Lage. Bei Ende des Krieges November 1918 überstiegen die Schulden des Reiches mit ca. 150 Milliarden Mark das prognostizierte Volkseinkommen des Jahres 1919 von 142 Milliarden Mark und die Deutsche Mark hatte bereits mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Der Staat reagierte, um den finanziellen Anforderungen aus Staatschulden, Reparationsforderungen und „Betriebskosten“ gerecht werden zu können, mit einer massive Ausweitung der Geldmenge – sprich: es wurde einfach mehr Geld gedruckt – und setzte damit eine inflationäre Entwicklung in Gang, die sich mit der Hyperinflation 1923 zu einer der radikalsten Geldentwertungen eines europäischen Industriestaates manifestierte. Bis 1922 blieb der 1000-Mark-Schein der höchste Wert in der Nominalkette. Als der Mord am damaligen Außenminister Walther Rathenau durch Mitglieder der rechtsradikalen Organisation Consul im Juni 1922 das Vertrauen in die Stabilität der Republik im In- und Ausland erschütterte, verlor die Mark rapide an Wert.

Mit der Ruhrbesetzung wegen ausbleibender Reparationsleistungen anfangs 1923 durch französische und belgische Truppen verschärfte sich die Situation weiter. Dadurch verlor Deutschland fast drei Viertel seiner Steinkohleförderung und mehr als die Hälfte seiner Roheisen- bzw. Rohstahlproduktion – mit den entsprechenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Die deutsche Regierung unter Reichskanzler Wilhelm Cuno rief zum passiven Widerstand gegen die militärische Besetzung auf und übernahm die Versorgung der Bevölkerung im Ruhrgebiet. Den daraus resultierenden Kosten, versuchte man wiederum mit dem Anwerfen der Gelddruckmaschinen Herr zu werden, was die Inflationsspirale weiter beschleunigte, bis schließlich im November 1923 der Kurs für 1 US-Dollar 4,2 Billionen Mark entsprach. Die Kosten für Lebensmittel(Nov. `23) waren dementsprechend: 1 Kilo Kartoffeln – 80 Milliarden Mark, 1 Liter Vollmilch – 280 Milliarden Mark, 1 Kilo Roggenbrot – 470 Milliarden Mark. Immer mehr lokale Verwaltungs- und Wirtschaftsbereiche gaben wertbeständiges Notgeld als Waren- und Sachwertgutscheine aus, bis schließlich mehr als 2.800 verschiedene wertbeständige Geldscheinsorten in Deutschland kursierten.

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Dementsprechend instabil gestaltete sich die politische Lage der Weimarer Republik. Die Regierung Cuneo wurde im Zuge der zunehmenden Massenarmut und eines Generalstreiks von einer großen Koalition mit den Sozialdemokraten unter dem Reichskanzler Gustav Stresemann im August 1923 abgelöst. Um die nötigen Voraussetzung für eine Lösung der Währungskrise zu schaffen, wurde Ende September `23 der Ruhrkampf für beendet erklärt. Dies führte sofort zu heftigen Gegenreaktionen des bayrischen Staates, der seit der Zerschlagung der Münchner Räterepublik und den nachfolgenden Säuberungen fest in der Hand republikfeindlicher und rechtsradikaler Kräfte war. Aufgrund einer möglichen Eskalation des Konflikts zwischen Bayern und dem Reich erfolgte daraufhin durch Friedrich Ebert die Verhängung des Ausnahmezustands über das gesamte Reichsgebiet. Eine militärische Besetzung Bayerns erfolgte nicht, da die Regierung Stresemann sich nicht sicher sein konnte, wie die Reichswehr sich bei einem rechtsgerichteten Putschversuch verhalten würde. (Dieser erfolgte – und scheiterte – dann tatsächlich am 8./9. November 1923 durch Adolf Hitler und seine Gesinnungsgenossen) Viele bürgerliche und republikanisch-proletarischer Kräfte befürchteten zu diesem Zeitpunkt das Einsetzen einer rechtsgerichteten Militärdiktatur. Die Kommunistischen Internationale (KomIntern) in Moskau hingegen, sah in der wirtschaftlichen wie sozialen Krise eine vergleichbare vorrevolutionäre Situation wie in Russland im Jahr 1917 und ging mit der Führungsspitze der deutschen KPD zu konkreten Planungen eines bewaffneten Aufstandes über. Bei diesen Planungen wurde den sogenannten proletarischen Hundertschaften, vor allem in Thüringen und Sachsen, eine wesentliche Rolle zugedacht.

Die proletarischen Hundertschaften entstanden zur Abwehr der rechtsextremen Bewegungen in den frühen 1920er Jahren und rekrutierten sich größtenteils aus Mitgliedern der KPD und SPD. Insgesamt verfügten sie über 50.000 Mitglieder. Aufgrund mangelnder Bewaffnung und fehlender militärischer Logistik und Infrastruktur stellten diese Schutzverbände aber keine wirkliche Gefahr für die Weimarer Republik dar. In Preußen wurden sie bereits im Mai 1923 verboten und in Sachsen und Thüringen nach dem Einmarsch der Reichswehr aufgelöst. Die proletarischen Hundertschaften waren ein indirekter Vorläufer des 1924 gegründeten Rotfrontkämpferbundes.

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Seit Anfang 1923 unterstützte die KPD in Sachsen und Thüringen sozialdemokratische Minderheitsregierungen, was im Oktober dieses Jahres zu linken Koalitionsregierungen und zur Berufung kommunistischer Minister in Sachsen und Thüringen führte. Die Reichsregierung in Berlin reagierte umgehend mit der Anwendung der „Reichsexekution“, also der militärischen Besetzung der beiden Länder durch die Reichswehr, sowie der Absetzung der demokratisch rechtmäßigen Regierungen. Am 20. Oktober beschloss die Zentrale der KPD zum Generalstreik gegen den drohenden Einmarsch der Reichswehr in Sachsen aufzurufen und den Generalstreik zum Ausgangspunkt für den geplanten, jedoch nicht wirklich vorbereiteten bewaffneten Aufstand zu machen. Doch eine überparteiliche, von der SPD dominierte Betriebsräte- und Arbeiterkonferenz am 21. Oktober 1923 in Chemnitz verweigerte den Plänen der KPD die Zustimmung. Aufgrund dieser Situation und der geringen Kampfbereitschaft der Arbeiter brach die KPD-Führung die Vorbereitungen für eine bewaffnete Revolution ab. Nur in Hamburg kam es zwischen dem 23. und 25. Oktober zu einem isolierten Aufstandsversuch, dem sogenannten Hamburger Aufstand.

„Die KPD beeinflusste eine Reihe, vor allem von ihr aufgebauter, proletarischer Massenorganisationen, den 1924 gegründeten „Roten Frontkämpferbund“, der gegen die ewig Gestrigen fanatischen Kriegs„helden“, ihre „Freikorps”, den „Stahlhelm“, die faschistischen Schlägertrupps und Mordbanden gestellt wurde und neben vielen antimilitaristischen Aktionen auch Versammlungen zu schützen hatte; die seit 1921 bestehende lnternationale Arbeiter Hilfe IAH, die u.a. Geld für streikende Arbeiter sammelte und z.B.1924 an 400 Speísestellen 30.000 warme Mahlzeiten für Arbeitslose ausgab, die 200.000,- Mark für Kinderhilfe und über eine halbe Million Mark für Streikunterstützung einsetzen konnte. Auch in der IAH arbeiteten sozialdemokratische und parteilose Arbeiter, Wissenschaftler und Künstler (wie Otto Dix, Oskar Maria Graf und viele andere) mit. lm Sommer 1921 entstanden die Komitees der „Roten Hilfe“, zentral geleitet von Wilhelm Pieck und Clara Zetkin, die den von der reaktionären Klassenjustiz verfolgten materielle und moralische Hilfe erwiesen. Die RHD brachte auch Kinder von verhafteten oder ermordeten Arbeitern in eigenen Heimen unter und kämpfte für die Amnestie der proletarischen politischen Gefangenen. Wie in der IAH arbeiteten in der Roten Hilfe nicht nur Kommunisten und nicht nur Arbeiter mit. (Künstler wie Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Arnold Zweig, natürlich auch viele Rechtsanwälte wie z.B. Prof. Abendroth).“

„Illustrierte Geschichte der deutschen Revolution“, Internationaler Arbeiter Verlag, Berlin 1929; Nachdruck: Verlag Neue Kritik

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Angesichts der katastrophalen Folgen der Inflation und der daraus erwachsenen politischen Instabilität überdachten die Alliierten ihre Politik gegenüber dem Deutschen Reich und entwickelten neue Modalitäten der Reparationszahlungen und Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft, die sich dann im sogenannten Dawes-Plan konkretisierten. Auf Druck der USA und Großbritanniens lenkte Frankreich 1923/1924 in Fragen des Ruhrgebietes ein, so dass auf der Basis erfolgreicher Verhandlungen die Wirtschaftstätigkeit wieder aufgenommen werden konnte (Die militärische Besetzung endete erst 1930). So konnten dann konkrete Maßnahmen gegen die Hyperinflation entwickelt werden. Währungstechnisch galt sie am 15. November 1923 als beendet. An diesem Tag wurden die Notenpressen durch die Reichsbank stillgelegt und die Rentenmark als neues Zahlungsmittel herausgegeben. Zur Sicherung dieser Übergangswährung war die „Deutsche Rentenbank“ gegründet worden, der ausschließlich 3,2 Mrd. Rentenmark zu Verfügung standen, um die umlaufende Geldmenge knapp zu halten. Die Rentenmark war theoretisch gedeckt durch eine Hypothek auf das deutsche Gewerbe und die deutsche Landwirtschaft, kursierte als provisorische neue Währung jedoch nur im Inland, war also nicht konvertibel mit ausländischen Währungen. Der Wechselkurs einer Rentenmark war mit einer Billion Papiermark festgelegt worden, ein US-Dollar entsprach 4,20 Rentenmark.

Im August 1924 wurde die Übergangswährung im Rahmen des Dawes-Plans von der Reichsmark (Kurs Reichsmark – Rentenmark/ 1: 1)abgelöst, die durch Gold und wertbeständige Devisen gedeckt war. Die Rentenmark blieb aber noch auf Jahre ein anerkanntes Zahlungsmittel im Inland. Damit erhielt die Reichsbank ihre Rolle als Notenbank zurück und wurde zum ersten Mal von der Reichsregierung unabhängig. Die Siegermächte des 1. Weltkriegs behielten sich vor, von den 14 Mitgliedern des Aufsichtsrates die Hälfte durch eigene Vertreter zu besetzen. Jeweils ein Mitglied stammte aus den USA, England, Frankreich, Holland, Italien und der Schweiz. Die weiteren 7 Sitze wurden durch deutsche Vertreter eingenommen. Durch die inflationäre Geldentwertung wurden die ökonomischen und sozialen Lasten des verlorenen Krieges von der Masse der abhängig Beschäftigten und den reinen Geldvermögensbesitzern getragen. Die Opfer der Inflation waren die deutschen Mittelschichten und die Lohn- und Gehaltsempfänger. Die deutschen Sparer verloren Alles, nicht hingegen die Grund- und Immobilienbesitzer. Profiteure der Inflation waren alle Kreditnehmer, da diese nun ihre wertlos gewordenen Schulden tilgen und Investitionen finanzieren konnten, insbesondere Finanzspekulanten wie Hugo Stinnes, sowie Großindustrielle, Großgrundbesitzer und der Staat. Die deutsche Rechtsprechung schrieb im Frühjahr 1923 in puncto „Rückzahlung von Darlehen“ fest, dass „eine Mark gleich eine Mark“ sei: Ein Vorkriegsdarlehen auf der Basis von Goldmark konnte so 1923 mit dem gleichen Betrag wertlosen Papiergeldes getilgt werden. Dies galt auch für die staatliche Tilgung der Kriegsanleihen: Die Kriegsschulden des Kaiserreiches bei den Käufern dieser Anleihen in Höhe von 154 Mrd. Mark waren so kein Thema mehr. Die Reallöhne der arbeitenden Bevölkerung hingegen, erreichten im Durchschnitt erst 1928 wieder das Niveau des Jahres 1913.

http://chroniknet.de/extra/zeitgeschichte/1923-ein-liter-vollmilch-kostet-in-berlin-280-milliarden-mark/

http://www.die-linke.de/politik/disput/archiv/detail/browse/1/artikel/der-deutsche-oktober/

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/ersterweltkrieg/155308/kriegsideologie-und-moderne-massenkultur

https://www.dhm.de/lemo
https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/1914-2014-krisen-ueber-alles-in-der-welt

http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelgeschichte/d-114632365.html
http://www.spiegel.de/einestages/hyperinflation-1923-a-948427.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Inflation_1914_bis_1923
https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchner_R%C3%A4terepublik
https://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Rathenau

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4. Der Versailler Vertrag, Dawes-Plan und Young-Plan

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde mit dem Versailler Vertrag Deutschlands alleinige Kriegsschuld festgeschrieben. In einer Vielzahl von darauf folgenden Konferenzen, die die Reparationsforderungen zum Thema hatten, wurde 1920 die Reparationsschuld auf 269 Milliarden Goldmark festgelegt, 1921 dann auf 132 Mrd. Goldmark, zu Jahresraten von 2 Mrd. Goldmark, gesenkt. Nach der Hyperinflation, die Deutschland zahlungsunfähig machte und der nachfolgenden Währungsreform, wurden die Zahlungsforderungen im Rahmen des Dawes-Plans zunächst auf 1 Milliarde jährlich begrenzt.

Die USA hatten nach 1918 ihre Konkurrenzsituation zum britischen Commonwealth deutlich verbessern können und New York hatte London als Finanzschauplatz abgelöst. Die Entente, vor allem England und Frankreich, hatten zwischen 1914 bis 1917 zur Kriegsfinanzierung Anleihen im Wert 2,5 Milliarden Dollar in den USA aufgenommen. Diesen Rückzahlungsverpflichtungen konnten die beiden Länder im vollen Umfang nur nachkommen, wenn Deutschland seine Reparationszahlungen leistete. Auch aus diesem Grunde wurden die USA mit der Konzeption des Dawes-Plans zu den größten Kreditgebern Deutschlands. So entstand eine liquide Situation wechselseitiger Zahlungsverpflichtungen, die – ausgehend von der Kreditvergabe der USA – zu einer wirtschaftlichen Entspannung und Stabilisierung der europäischen und vor allem der deutschen Wirtschaft führte und den deutschen Markt für amerikanische Investitionen öffnete. So konnten sich die Jahre zwischen 1924 bis 1929 zu einer Phase des Wiederaufbaus in Deutschland entwickeln.1923 wurde der Bankier Charles G. Dawes zur alliierten Reparationskommission versetzt und erarbeitete dort den nach ihm benannten Dawes-Plan, der von 1924 bis 1929 seine Gültigkeit hatte und dann durch den sogenannten Young-Plan ersetzt wurde, mit dem die Gründung der Bank für internationale Zusammenarbeit (BIZ) einherging. Zu den Experten des Dawes- und Young-Planes gehörten der Bankier Charles G. Dawes und Owen D. Young von der Morgan Bank, der gleichzeitig Präsident der General Electric Company war. Unterstützt wurde er von J. P. Morgan persönlich, der sich abwechselte mit T. W. Lamont, einem Partner von Morgan und T. N. Perkins, einem Bankier mit Morgan-Kontakten.

Owen D. Young, nach dem der Young-Plan für die deutschen Reparationen benannt wurde, war nicht nur Vorstandsvorsitzender der General Electric (1922 – 1939/42 – 45), sondern auch Vorsitzender der Radio Corporation of America; R.C.A. (1919 – 1929). Ab 1929 war er Direktor der Allgemeinen Elektricitäts- Gesellschaft (AEG), sowie von Osram in Deutschland. Weitergehend war Young in den Vorständen von General Motors, NBC und RKO (Radio-Keith-Orpheum) und Direktor der Federal Reserve Bank N. Y. (1923 – 1940); er war beratendes Mitglied der Nationalen Amerikanischen Industrie Konferenz und Direktor der Internationalen Handelskammer, sowie Mitglied der Rockefeller Stiftung.

Thomas William Lamont, Jr. (1870 – 1948) wurde 1911 Partner von J.P. Morgan & Co. Seit 1919 war er Mitglied des Council of Foreign Relations. Lamont galt – zumindestens in der Anfangszeit – als bekennender Sympathisant des italienischen Faschismus und war 1926 maßgeblich an dem Zustandekommen eines 100 Millionen Dollar- Darlehens an Benito Mussolini beteiligt.

http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_W._Lamont

 

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Die US-Delegationen wurden deutlich von der Morgan-Bank, der damals mächtigsten Bank der USA und weiteren Finanzkreisen der Wall-Street dominiert. Die von John P. Morgan jr., kontrollierte Bankengruppe war neben den Reparationsgläubigern die zweitgrößte Auslandsgläubigerin Deutschlands. Zu den deutschen Mitgliedern gehörten Hjalmar Schacht, Präsident der Deutschen Reichsbank und Carl Voegler von den Vereinigten Stahlwerken. Zwischen 1924 und 1931, während dem Dawes-Plan und dem darauf folgenden Young-Plan, zahlte Deutschland an die Alliierten ca. 36 Milliarden Reichsmark an Reparationen. Im gleichen Zeitraum lieh sich Deutschland, überwiegend in den USA, etwa 33 Milliarden RM. In Wirklichkeit wurden von der Reparationsschuld lediglich drei Milliarden bezahlt und der Rest auf neue Kredite umgelagert – bei gleichzeitigen gewinnträchtigen Tantiemen und Zinserträgen für die beteiligten Bankhäuser. Dieses System konnte solange funktionieren, wie der Kapitalfluss aus den USA anhielt. Durch den Dawes-Plan wuchs die Wirtschaft der Weimarer Republik in den „goldenen“ 1920er Jahren deutlich. US-Konzerne wie Ford, General Motors, IBM, ITT und die General Electric investierten in den deutschen Markt, indem sie Tochterunternehmen gründeten, Werke übernahmen oder sich über Kapitalbeteiligungen Einfluss verschafften.

Nach den Vertragsregelungen von Versailles durfte Deutschland nur noch Schiffe mit einem Fassungsvermögen von 1600 Tonnen haben. Ein Großteil der deutschen Kriegs- und Handelsflotte, sofern sie nicht zerstört war, wurde requiriert. Damit hatte England eines seine Kriegsziele erreicht – die Ausschaltung Deutschlands als Konkurrenten auf den Weltmeeren und im Überseehandel. Die USA hingegen standen diesbezüglich in Konkurrenz zum britischen Commonwealth. Ihre vor dem ersten Weltkrieg relativ unbedeutende Handels- und Kriegsmarine hatte ihre Position deutlich verbessern können und sie investierten im Kontext des Dawes-Plans im beträchtlichen Umfang in deutschen Werften und Reedereien. Die Investmentbank W.A. Harriman & Co investierte nach dem Ende des ersten Weltkrieges in eine ganze Reihe von Reedereien, u.a. der „American Shipping and Commerce“ und der „United American Lines“. Beide Unternehmen bauten bereits 1920 intensive Geschäftskontakte zur HAPAG auf, aufgrund dessen sich die deutsche Reederei wirtschaftlich schnell erholen konnte. 1925 wurden von us-amerikanischer Seite in die HAPAG (Hamburg-Amerika-Packet-Aktien-Gesellschaft) 7,5 Millionen Dollar in Aktien eingebracht. Die HAPAG übernahm 1926 die „DDG Kosmos“ und die „Deutsch-Austral“ vom insolventen Stinnes-Imperium und kaufte die „United American Lines“ von William Averell Harriman auf, der weiterhin finanziell beteiligt blieb. Dadurch war die HAPAG in der Lage ihre Flotte auf 182 Schiffe mit mehr als einer Million Tonnage zu steigern.

Die Hapag entwickelte sich unter ihrem Generaldirektor Wilhelm Cuno zu einem Förderer der Nationalsozialisten, die er im Rahmen des „Hamburger Nationalclubs von 1919“ mit Deutschnationalen jeglicher Couleur schon seit Mitte 1928 bekannt gemacht hatte. Im Zuge dieser Koalition entwickelte sich die Hapag zu einem Unternehmen, das der regionalen NS-Bewegung einen wichtigen großbetrieblichen Rückhalt bot.

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Im Rahmen dieser Entwicklung kam es in Deutschland zur Bildung, bzw. Konsolidierung großer Kartelle im Bereich der Chemie-, Elektro-, und Montanindustrie, wobei den deutschen Konzernen IG-Farben, der Allgemeinen Elektrizitäts Gesellschaft (AEG) und der Vereinigten Stahlwerke eine Schlüsselrolle zukam. Der IG Farben gehörten zu Spitzenzeiten in Deutschland 200 Werke, sowie etwa 400 deutsche und 500 ausländische Unternehmensbeteiligungen an. Die Vereinigten Stahlwerke beinhalteten viele der großen deutschen Eisen-, Stahl- und Bergwerksgesellschaften. Diese Wirtschaftsgruppen bekamen im Rahmen der NS-Kriegswirtschaft eine dominante Position bei der Produktion kriegswichtiger Materialien. Die nachweislich hohe Investitionstätigkeit us-amerikanischer Finanzgruppen und Unternehmen in diesen Bereichen wird neuerdings oft für eine Argumentationslogik verwendet, die Gruppen der US-Hochfinanz die Schuld an der Entwicklung in Europa im Zeitraum 1930-45 zuweist – bei gleichzeitiger Relativierung der deutschen Kriegsschuld. Ausgeblendet wird dabei fast immer, dass viele dieser Unternehmen bereits vor dem 1. Weltkrieg intensiv miteinander kooperierten und das diese Kooperationen nach 1918 – unter veränderten machtpolitischen Voraussetzungen – wieder aufgenommen wurden. Internationale Patentrechtsregelungen, Preisabsprachen und Aufteilung der Weltmärkte waren zu diesem Zeitpunkt schon lange Usus wirtschaftspolitischer Vernunft der Großunternehmen.

Weitere US-Unternehmungen, die maßgeblich in die deutsche Wirtschaft investierten, waren die Automobilkonzerne Ford und General Motors, die 1939 – bei Ausbruch des Krieges – 70% des deutschen Automobilmarktes kontrollierten. Die millionenschwere Finanzunterstützung durch die us-amerikanischen Muttergesellschaften, sowie die Mitnutzung der Strukturen der US-Konzerne (Vertrieb, Rohstoffe, Industriekomponenten, Patente) verschafften den deutschen Opel und Ford-Werken einen enormen ökonomischen Vorteil und dem Deutschen Reich Devisengewinne und die notwendige industrielle Logistik für ihre Zukunftsplanungen. Beide Unternehmen kompensierten den Mangel an Arbeitskräften, aufgrund der Einberufungen zur Wehrmacht während des 2. Weltkrieges, durch den Einsatz von Zwangsarbeitern. Erst nach 50 Jahren, als die Sammelklagen von Zwangsarbeitern in den USA Erfolg hatten, zahlte GM Opel 30 Millionen Mark in den Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft ein. Ford, 1998 mit einer Sammelklage konfrontiert, weigerte sich zunächst zu zahlen, brachte dann aber wegen des großen Drucks der Öffentlichkeit 13 Millionen US-Dollar in den Entschädigungsfond ein.

„Kein abgeschlossenes Kapitel, Hamburg im Dritten Reich“, Angelika Ebbing, Karsten Linne (Hg.); 1997, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg speziell: Karl Heinz Roth, „Ökonomie und politische Macht: Die „Firma Hamburg“ 1930 – 1945″, Seite 15 – 176

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Reparationen_nach_dem_Ersten_Weltkrieg
http://www.theguardian.com/world/2004/sep/25/usa.secondworldwar

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5. Weltwirtschaftskrise

Im Zuge der guten Wirtschaftslage und des wachsenden Wohlstandes in den USA, begannen auch etliche Kleinanleger an der Börse, die zu dieser Zeit noch ohne eine nennenswerte Aufsichtsbehörde funktionierte, zu spekulieren. Insgesamt mehr als 100 Millionen US-Bürger investieren ihre Ersparnisse in Aktienkäufen oder finanzierten sie über Kreditaufnahmen. Die Situation an der Börse schien ihnen Recht zu geben: so verdreifachten sich die Aktienwerte zwischen 1925 – 1929 und allein in den Monaten Juli bis September 1929 klettert der Dow-Jones-Index um mehr als 30 Prozent. Im Zuge dieses Börsenruns gingen auch immer mehr Banken und Großinvestoren dazu über ihre Aktiengeschäfte auf Kreditbasis zu finanzieren, um sie dann mit den Spekulationsgewinnen zu bezahlen. Die so entstandene Spekulationsblase platzte dann im Zuge des absehbaren Konjunkturabschwunges der US-Wirtschaft am sogenannten „Black Thursday“ am 24.10.1929.

Bereits seit dem 14. Oktober 1929 war ein stetiger Rückgang der Aktienkurse erkennbar, der dann zu den Panikverkäufen der Anleger und zum großen Kurseinbruch führte. An diesem „Schwarzen Donnerstag“ fiel der Gesamtwert der börsennotierten Unternehmen um 11 Milliarden US-Dollar. Endgültig brach der Markt erst am darauffolgenden Dienstag zusammen. Die Kurse waren so weit gefallen, dass ein Großteil der Kredite nicht mehr gedeckt waren und die Banken ihr Geld zurück forderten. Dies führte zu einer weiteren Verkaufswelle und Kurseinbrüchen bei denen der Kurswert der Unternehmen um weitere 14 Milliarden Dollar fiel. Das die us-amerikanische Zentralbank (FED) – die bereits seit der Jahreswende 1928/1929 zu einer Hochzinspolitik übergegangen war – in dieser Situation dem Kapitalmarkt kein zusätzliches Geld zur Verfügung stellte, um die Liquidität des Marktes sicher zu stellen, wird von vielen Wirtschaftswissenschaftlern als eine der Hauptursachen angesehen, weswegen sich dieser Börsencrash zur großen Depression in den USA und zur Weltwirtschaftskrise ausweitete. Infolge des New Yorker Börsencrashs kam es zu einem verstärkten Abzug amerikanischen Kapitals von den europäischen Märkten, was für die Wirtschaft der Weimarer Republik ähnlich dramatische Auswirkungen hatte, wie in den Vereinigten Staaten. Geldknappheit und Deflation bewirkten Produktionsrückgang, Entlassungen und Massenarbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen stieg von im Sommer 1929 mit 1,9 Millionen Arbeitslosen, auf fast 5 Millionen im März 1931 und erreichte im Februar 1932, dem Höhepunkt der Krise, schließlich ca. 6,14 Millionen.

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Dem Zusammenbruch der Aktienmärkte folgte weltweit eine Banken- und Kreditkrise. Die Österreichische Creditanstalt, die größte mitteleuropäische Bank und Kreditgeber zahlreicher Großunternehmen, die infolge der Krise Pleite gingen, musste Mai 1931 ihre Zahlungsunfähigkeit erklären. Im gleichen Monat wurde die finanzielle Schieflage des Karstadtkonzerns und der Nordstern-Versicherung bekannt. Reichskanzler Brüning erklärte am 9. Juni 1931 – in Anlehnung an die Rhetorik der NSDAP – das eine weitere Belastung Deutschlands durch die Reparationsleistungen wirtschaftlich nicht mehr tragbar sei. Dies untergrub das Vertrauen vieler ausländischer Kreditgeber nachhaltig, die daraufhin ihre Devisen abgezogen. Insgesamt verlor die Reichsbank in der Zeit vom 1. bis zum 17. Juni mehr als die Hälfte ihres Gold- und Devisenbestandes, insgesamt ca. 1,4 Milliarden RM, so dass die die gesetzliche Deckungsgrenze für die Währung gefährdet war. Ein einjähriges Schulden-Moratorium, ausgehend von der Initiative des US-Präsident Hoovers im Folgemonat, welches eine Aussetzung der deutschen Reparationszahlungen beinhaltete, konnte die Situation nicht stabilisieren.

Die USA hatten den Versailler Vertrag nicht ratifiziert und lehnten eine Verknüpfung von Reparationen und interalliierten Kriegsschulden lange ab. Am 20. Juni 1931 schlug der amerikanische Präsident Herbert Hoover das Hoover-Moratorium vor. Etwas mehr als ein Jahr später wurden auf der Konferenz von Lausanne die Reparationsverpflichtungen des zahlungsunfähigen Deutschen Reichs bis auf eine kleine Restsumme gestrichen, die nie eingefordert wurde. Daraufhin verweigerten Großbritannien, Frankreich und die anderen interalliierten Kriegsschuldner den Schuldendienst. Seitdem befinden sie sich in Schuldnerverzug. Die bis heute ungelöste Frage der Kriegsschulden belastete in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg die Beziehungen zwischen den USA und den westeuropäischen Mächten und erschwerte eine gemeinsame Abwehr gegen die wachsenden Machtansprüche des nationalsozialistischen Deutschland. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Problem ungelöst.

Im Juli 1931 kam es zum Zusammenbruch der Großbank „Darmstädter und Nationalbank“ (Danat-Bank), welches in Deutschland die Bankenkrise einleitete, die zu zahlreichen weiteren Insolvenzen und Bankrotten führte. Im Herbst 1931 wurde das Kuratorium für das Bankgewerbe gegründet um die Kreditpolitik der Banken an den gesamtwirtschaftlichen Erfordernissen auszurichten. Diese Institution war bei der Reichbank angesiedelt und wurde mit dem Reichsgesetz über das Kreditwesen (KWG) als erste umfassende gesetzliche Regelung einer Bankenaufsicht in Deutschland verabschiedet. Das Gesetz wurde 1939 novelliert und entwickelte sich zu einem Instrument nationalsozialistischer Wirtschaftsplanung und besteht, mehrfach modifiziert seit 1945 fort. Faktisch wurden im Zuge dieser Entwicklung alle großen Geschäftsbanken übergangsweise verstaatlicht. So waren das Reich und die an der Kapitalrekonstruktion beteiligte Golddiskontbank 1932 zu 91 % an der mit der DANAT-Bank fusionierten Dresdner Bank, zu 70 % an der mit dem Barmer Bankverein zusammengeschlossenen Commerz- und Privatbank und schließlich zu 30 % an der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft beteiligt.

Am 21. September 1931 wurde das englische Pfund vom Golddevisenstandard abgekoppelt, nachdem die Bank von England mit ihrem Versuch eine gesamteuropäische Bankenkrise abzuwenden, indem sie ihre Goldreserven zur Stützung der österreichischen Creditanstalt und in der Deutschen Bankenkrise einsetzte, gescheitert war.

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„An die Stelle eines internationalen Geldverkehrs trat nun der Kompensationshandel von je einzelnen Waren, die im- und exportiert werden sollten. Eine bedeutsame Folge der Devisensperre war die Bildung von Wirtschaftsblöcken, bei denen die jeweils führenden Staaten ihre Währung als Leitwährung für ihren Einflussbereich durchsetzten. Großbritannien richtete auf der Konferenz von Ottawa im Juli/August 1932 eine Sterling-Zone ein und bildete das sogenannte Ottawa-System für den Handel mit Präferenzzöllen in den Ländern des Commonwealth. Die USA konzentrierten ihren Außenhandel auf Südamerika und die Karibik mit dem sogenannten „Dollarblock“ und 1936 folgte Japan mit der Bildung der sogenannten Großostasiatischen Wohlstandssphäre. Die Aufteilung der Weltwirtschaft in große Wirtschaftsräume mit jeweils einem Zentrum und einer ergänzungswirtschaftlichen Peripherie wurde damals zur gängigen wirtschaftspolitischen Zwischenlösung zwecks Überwindung der Devisenzwangsbewirtschaftung und Weltwirtschaftskrise.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Mitteleurop%C3%A4ischer_Wirtschaftstag

Die 1925 neugegründete und reorganisierte NSDAP war nur eine von mehreren antisemitisch-völkischen Parteien und erhielt bei den Reichstagswahlen von 1928 nur 2,6 % der Stimmen. Dies änderte sich unter den Vorzeichen der Wirtschaftskrise. Im Rahmen der Harzburger Front wurde sie salonfähig gemacht und durch das Medienimperium von Alfred Hugenberg unterstützt. 1929 erlangte die Partei durch die gemeinsame Agitation mit der DNVP und dem Stahlhelm im Rahmen der Kampagne gegen den Young-Plan zum ersten Mal eine reichsweite Aufmerksamkeit. Mit den Reichstagswahlen am 14. September 1930 entwickelte sie sich mit 18,3 % der Stimmen zur zweitstärksten Partei hinter der SPD und ging bei der folgenden Wahl (31.Juli 1932) als stärkste Partei im Reichstag hervor. Bei den Wahlen vom 6. November 1932 kam es zu einer Wahlniederlage (von 230 auf 196 Mandate) der Nationalsozialisten, dagegen hielten die KPD und SPD zusammen ihre Stimmen mit einer gleichzeitigen Verschiebung zur KPD. Eher durch die Gewinne der Arbeiterbewegung aufgeschreckt als durch den Einbruch der NSDAP, kam es zu einer Annäherung zwischen Schwer- und chemischer Industrie. Da die etablierten konservativen Parteien auch Stimmenverluste hinnehmen mussten, schien es notwendig, geschlossen Hitler zu unterstützen, um bei den nächsten Wahlen eine konservative Mehrheit im Reichstag zu halten.

http://www.dhm.de/lemo/rueckblick/der-boersenkrach-von-1929.html
http://www.helmut-creutz.de/pdf/werke/GeldSyndrom_Creutz-2.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Bankenkrise
http://de.wikipedia.org/wiki/Interalliierte_Kriegsschulden
https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei

„Zur Entwicklung der Zentralbanken und der Bankaufsicht in Deutschland und in den Niederlanden“  Holger-Rene Bruckhoff; 2010, Peter Lang, Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt a.M.

„Der Krieg vor dem Krieg. Politik und Ökonomik der »friedlichen« Aggressionen Deutschlands 1938/39“, VSA, Hamburg 2001

„Europastrategien des deutschen Kapitals 1900-1945“, Pahl-Rugenstein, Köln 1977

http://www.kommunistische-debatte.de/faschismus/nationalsozialismus2000.html
Interessante Binnensicht auf der Internetseite der „Kommunistischen Zeitung“ (Gelsenkirchen) erschien von Februar 1998 (Nr. 1) bis März 2000 (Nr. 10). Nach der Einstellung der Zeitung wurden weitere theoretische und politische Arbeiten im Internet über http://www.kommunistische-debatte.de veröffentlicht

Reiner Zilkenat; „Das deutsche Großkapital, der Keppler-Kreis und die NSDAP – Eine unentbehrliche Vorgeschichte des 30. Januar 1933“     http://www.nrw.vvn-bda.de/bilder/keppler-kreis.pdf

 

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6. Deutsche Wirtschaftsgrößen und Wegbereiter der Nationalsozialisten

Emil Kirdorf (1847 – 1938) war wie Fritz Thyssen, ein Vertreter der  rheinisch-westfälischen Schwerindustrie und gehörten zu den Nazi-Propagandisten der ersten Stunde. Kirdorf war von 1893 bis 1926 amtierender Generaldirektor des größten Bergbau-Unternehmens in Deutschland, der Gelsenkirchener Bergwerks-AG; bis 1927 gehörte er dem Vorstand der Siemens-und-Halske-Werke an. Er finanzierte reaktionäre Organisationen und Publikationsorgane, vor allem den Alldeutschen Verband. Weitergehend übte er über Aufsichtsrats-Mandate bei den Vereinigten Stahlwerken, den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerken (RWE) und der Großbank Disconto-Gesellschaft erheblichen Einfluss aus. 1927 trat er der NSDAP bei und organisierte in seinem Haus ein exklusives Treffen Hitlers mit anderen führenden Industriellen. Bereits ein Jahr später verließ er jedoch wieder die NSDAP.

https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Kirdorf

Alfred Hugenberg (1865 – 1951) war ein deutscher Montan-, Rüstungs- und Medienunternehmer und Gründungsmitglied, wie zeitweise führendes Mitglied der republikfeindlichen DNVP. Nach Hitlers Machtergreifung war er kurzfristig Minister in dessen erstem Kabinett. Er war einer der maßgeblichsten deutschen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Mit seinem Hugenberg-Konzern, zu dem die UFA gehörte und der zum Ende der Weimarer Republik, die Hälfte der deutschen Presse kontrollierte, schuf er mit seiner nationalistischen und antisemitischen Propaganda die nötigen Voraussetzungen für den Aufstieg Hitlers. 1908 saß er im Vorstand der Frankfurter Berg- und Metallbank von Richard Merton, und von 1909 – 1918 leitete er als Vorsitzender des Direktoriums die Finanzen der Friedrich Krupp AG. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Alldeutschen Verbandes (1891 – 1939), ein Interessen- und Agitationsverband der revanchistischen Rechten. Von 1912 bis 1925 war er Vorsitzender des Bergbauvereins und des Zechenverbandes sowie seit 1919 Mitglied im Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Später verwaltete er die Gelder der Ruhrlade. Im Juli 1929 nahm Hugenberg die – bis dahin noch relativ unbedeutende – NSDAP in den „Reichsausschuss für das Volksbegehren gegen den Young-Plan“ auf und verschaffte ihr so im nationalkonservativen Lager eine enorme Publizität und Reputation. DNVP und NSDAP führten gemeinsame Wahlveranstaltungen durch und Hitler wurde im Kreise der nationalkonservativen Großindustriellen salonfähig. Pünktlich zu der im diesen Jahre einsetzenden Weltwirtschaftskrise.

http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Hugenberg

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Hugo Stinnes (1870 – 1924) war als erfolgreicher Industrieller ursprünglich in der Montanindustrie beheimatet und in der Folge an der Gründung zahlreicher Großkonzerne im Rheinland und im Ruhrgebiet beteiligt. Seine Geschäftspartner waren häufig August Thyssen und vor allem verschiedene Bankhäuser, mit derer Hilfe er seine aggressive Aufkauf- und Expansionsstrategie während der Inflationsjahre realisierte. Neben seinem unternehmerischen Schwerpunkt der Montanindustrie und dem Handelskonzern Hugo Stinnes GmbH war er maßgeblich an der Gründung und dem Ausbau der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) beteiligt, die er 1902 erwarb. Die Übernahme erfolgte im Zusammenwirken mit August Thyssen und einem Bankenkonsortium unter Beteiligung der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Disconto-Gesellschaft. Kurz nach Beginn des ersten Weltkrieges zeigte Hugo Stinnes deutliche Sympathien für den Alldeutschen Verband unter dem Krupp-Manager Alfred Hugenberg und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Kriegslieferanten für das deutsche Heer. Nach der deutschen Niederlage hatte er seine Handelsflotte und einen großen Teil seines Besitzes im Machtbereich der Entente-Mächte verloren. Außerdem betraf die Ruhrbesetzung einen großen Teil seines noch bestehenden Unternehmens. Trotz dieser Verluste besaß Stinnes in der Weimarer Republik über seine bestehenden Kapitalbeteiligungen einen beachtlichen Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. (1924 soll Stinnes an 4.554 Betrieben mit fast 3.000 Produktionsstätten beteiligt gewesen sein.)

Stinnes war einer der Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite bei der – um eine drohende Sozialisierung der Großbetriebe im Zuge der Novemberrevolution abzuwehren – die Gewerkschaften anerkannt und der Achtstundentag in Deutschland eingeführt wurde. 1919 initiierte er auf einem Treffen der Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft in Berlin den Anti-Bolschewisten-Fond mit einer angedachten Kapitalisierung von 500 Millionen Reichsmark. Mit den sofort zur Verfügung gestellten 50 Millionen RM wurde die militärische Niederschlagung des Spartakusaufstandes durch die Freikorps finanziert. Bereits 1918 hatte Stinnes sich mit rund 4,4 Mio. RM an der Finanzierung des Hugenberg-Medienkonzerns beteiligt, der maßgeblich antibolschewistische und nationalistische Propaganda in die Bevölkerung trug. Mit seinem Tod 1924 zerfiel sein Geschäftsimperium in den Folgejahren im wesentlichem, weil, neben den massiven Einbußen durch den verlorenen 1. Weltkrieg, die Auswirkungen des Endes der Hyperinflation durch die geschäftsführenden Familienmitgliedern falsch eingeschätzt wurden. Nur Teile des Unternehmens, vor allem die Sparte des Seehandels blieben erhalten und wurden durch Kreditierungen amerikanischer Banken stabilisiert. Die Familie blieb zumindestens so vermögend, dass sie die Spendenpolitik des verstorbenen Firmenpatriarchen fortsetzten. So unterstützte die Familie seit 1925 die Nationalsozialisten. Diese Gelder wurden für die Weiterentwicklung der Nazi-Wochenzeitung Völkischer Beobachter zu einer Tagespublikation verwendet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Stinnes

August v. Finck (1898-1980) übernahm nach dem Tod seines Vaters 1926 die Leitung des Münchner Bankhauses Merck, Finck & Co und wurde Aufsichtsratsvorsitzender der Allianz-Versicherung, sowie der Münchner Rückversicherung. Er war persönlich mit Adolf Hitler und Hermann Göring bekannt und sprach sich seit 1930 für eine Kanzlerschaft Hitlers aus. Finck gehörte, wie auch sein Aufsichtsratkollege Dr. Kurt Schmitt, zu einer Gruppe von Industriellen, die sich Mitte 1931 mit Adolf Hitler im Berliner Hotel Kaiserhof trafen und der NSDAP im Falle eines Linksputsches 25 Millionen Reichsmark zur Verfügung stellen wollten. Er war einer der Teilnehmer des Geheimtreffens 1933 von Industriellen mit Hitler, bei dem ein Wahlfonds von 3 Millionen Reichsmark für die NSDAP beschlossen wurde. Ab 1933 war er Mitglied der NSDAP, später wurde er Senator der Deutschen Akademie, Mitglied im Generalrat der Wirtschaft und Präsidiumsmitglied der Akademie Deutschen Rechts. Im Rahmen der Arisierung eignete sich Merck, Finck & Co 1938 das Berliner Bankhaus J. Dreyfus und die Wiener Rothschild-Bank an. August v. Finck wurde 1945 verhaftet, nach einigen Monaten wieder auf freien Fuß gesetzt und 1948 zum Mitläufer erklärt. Er wurde zu einem Bußgeld von 1000 DM verurteilt.

1889 wurde die Allianz Versicherungs-AG in Berlin konstituiert, zu deren Gründern fast alle Aufsichtsratsmitglieder der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft gehörten. Das Aktienkapital in Höhe von 4 Mio. Mark wurde größtenteils vom Bankhaus Merck Finck & Co, der Deutschen Bank und der Münchner Rückversicherung gezeichnet. 1893 wurden die ersten Auslandsfilialen in London und später in den USA eröffnet.

https://de.wikipedia.org/wiki/August_von_Finck_senior
http://de.wikipedia.org/wiki/Allianz_SE#Geschichte
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Schmitt

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Emil Georg von Stauß (1877 – 1942) war Generaldirektor der Deutschen Bank und Mitglied in über 30 Aufsichtsräten. Er war 1905 maßgeblich an der Gründung der Europäischen Petroleum-Union beteiligt, zählte Henri Deterding, den Gründer des Shell-Konzerns, zu seinen Freunden und vertrat während des 1. Weltkrieges als Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und der Anatolische Eisenbahngesellschaft die deutschen Ölinteressen beim Weiter- bzw. Ausbau der Bagdad-Bahn. 1926 betrieb Stauß die Fusion von Daimler und der Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG, dessen Aufsichtsratsvorsitzender er wurde. Weitergehend saß er im Vorstand der Lufthansa, bei BMW, der Rhein-Main-Donau AG und der Ufa und war Mitglied im Senat der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Er war, wie auch sein Freund Hjalmar Schacht, Mitglied der Deutsche Volkspartei (DVP), dessen Vorsitz Gustav Stresemann führte. Von Stauß hatte bereits 1930 persönliche Kontakte zu Adolf Hitler und Hermann Göring aufgebaut und stellte sein Privathaus für informelle Treffen mit hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zur Verfügung. 1934 wurde er zum Vizepräsidenten des nationalsozialistischen Reichstags gewählt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Georg_von_Stau%C3%9F

Günther Quandt (1881-1954) leitete zunächst das familieneigene Traditionsunternehmen in der Textilindustrie. Im 1. Weltkrieg entwickelte sich seine Firmengruppe Reichswoll-AG zum Hauptlieferanten der Armee. Ab 1922 war er Vorstandsmitglied der Draeger-Paul-Wegener-Werke, deren Zusammenschluss er organisierte und baute mit August Rosterg die 1921 gegründeten Wintershall AG zur dominanten Gruppe der Kalierzeugung aus. In Folge übernahm er die Aktienmehrheit der Accumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft(AFA), dem marktbeherrschenden Produzenten von Batterien auf dem europäischen Markt. 1928 erfolgte dann die Übernahme der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken AG (DWM), ein traditionelles Rüstungsunternehmen (u.a. Mauser). G. Quandt gehörte mit zu der Gruppe einflussreicher Industrieller, die ab 1930 Adolf Hitler maßgeblich unterstützten. Die Quandts, Großaktionäre bei Daimler-Benz, den Mauserwerken AG und bei Varta, waren dem Führer geradezu freundschaftlich verbunden, was sich durch die häufigen Gespräche, Ausflüge und gemeinsame Essen zeigte. Die Nähe dieser Großindustriellen-Familie zu den Nazis zeigte sich auch in der Heirat von Magda Quandt mit Joseph Goebbels im Dezember 1931.

1937 wurde er zum Wehrwirtschaftsführer ernannt und saß u.a. in den Aufsichtsräten von Daimler-Benz, AEG und der Deutschen Bank. Die AFA-Werke waren kriegswichtige Rüstungsunternehmen. Sie produzierten Batterien für U-Boote, Panzer und Flugzeuge, sowie Spezialbatterien für Torpedos und die V2-Rakete. Insgesamt sollen mehr als 50.000 Zwangsarbeiter in den verschiedenen Unternehmen der Quandt-Gruppe beschäftigt gewesen sein. Nach dem 2. Weltkrieg wurde er für 1,5 Jahre inhaftiert und dann 1948 als Mitläufer eingestuft. Der anteilige Firmenbesitz an der AFA, der Wintershall AG und der DWM wurden – wie auch die Aktienpakete an Busch-Jaeger, Daimler-Benz, IG Farben, Mannesmannröhren-Werke und Rheinmetall-Borsig – nicht angetastet.

http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Quandt
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46289910.html

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Ferdinand Porsche (1875-1951) arbeitet ab 1906 als Entwicklungs- und Produktionsleiter bei der österreichischen Daimler-Motoren-Gesellschaft (Austro-Daimler) und entwickelte dort Pkw´s, Flugmotoren und Sportwagen. Im 1. Weltkrieg galt Austro-Daimler als wichtiger Rüstungsbetrieb. Porsche wurde zuerst zum Direktor und 1917 zum Generaldirektor des Unternehmens ernannt. Ab 1923 arbeitete er in Stuttgart als leitender Entwickler und Vorstandsmitglied der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG), die 1926 zu Daimler-Benz fusionierte. Nach einer kurzfristigen Vorstandstätigkeit bei der Waffenfabrik Steyr, macht er sich 1930 mit der Gründung der Porsche AG selbständig. Ab 1934/5 konstruierte Porsche den deutschen Volkswagen, den Kraft-durch-Freude-Wagen, der später als VW Käfer weltweit bekannt wurde. 1937 wurden seine Kinder, sowie sein Schwiegersohn Anton Piëch Teilhaber der Porsche AG.

Anton Piëch (1894 -1952) heiratete 1928 Ferdinand Porsches Tochter Louise. Er war an der Porsche AG beteiligt und vertrat als gelernter Jurist das Unternehmen in Vertrags- und Rechtsfragen. 1941 wurde er einer der Hauptgeschäftsführer des Volkswagenwerkes und engagierte sich neben Ferdinand Porsche maßgeblich an der Umstellung des Werkes auf die Rüstungsproduktion. 1950 wurde er Geschäftsführer bei Porsche in Österreich.

1938 wurde Ferdinand Porsche Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Aufsichtsrats des Volkswagenwerkes, welches den KdF-Wagen produzieren sollte. Dieser kam wegen des Kriegsbeginns allerdings nie zur Auslieferung, stattdessen wurden Kübel- und Schwimmwagen für die Wehrmacht produziert. Porsche wurde 1937 Mitglied der NSDAP, 1938 Mitglied der SS und wurde 1939 zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Als solcher entwickelte ein starkes Engagement in der Kriegsindustrie. Er gehörte ab 1942 dem Industrierat des Oberkommandos des Heeres an und war zwischen 1941 und 43 Vorsitzender der Panzerkommission und war an der Entwicklung des Panzers VI Tiger beteiligt. 1942 übernahm Ferdinand Porsche die Schirmherrschaft über die Prüf- und Versuchsabteilung (Pruva), der Kraftfahrtechnischen Lehranstalt der Waffen-SS. 1943 übernahm das Volkswagenwerk auf Initiative von Porsche die französischen Peugot-Werke. Die ehemaligen französischen Direktoren wurden ins KZ eingeliefert und Teile der Produktionsanlagen demontiert und ins VW-Werk überbracht. Porsche war einer der ersten Wirtschaftsführer, der bereits 1941 persönlich Zwangsarbeiter anforderte. Insgesamt sollen ca. 20 000 Zwangsarbeiter bei den Unternehmen, die unter Porsches Kuratel standen, eingesetzt worden sein. Die VW-Werke waren auch maßgeblich an der Produktion der V1-Rakete und deren Nachfolgeentwicklungen beteiligt.

Nach 1945 wurden Ferdinand Porsche und Anton Piëch knapp 2 Jahre in Frankreich inhaftiert und 1947 nach Zahlung einer Kaution entlassen. Beide wurden 1948 von einem französischen Gericht von allen Anklagepunkten (die die Peugot-Werke betrafen) freigesprochen. Bereits 1948 schloss Porsche mit dem Volkswagen-Werk einen neuen Vertrag ab, der die zuvor bestehende Generalbeauftragung für alle Entwicklungsarbeiten ersetzte. Die Verwendung seiner Patente wurde Porsche mit einer Lizenzgebühr von 0,1% (1948) und dann 1% (1949) für jeden verkauften VW vergütet. Zusätzlich erhielt er monatlich 40 000 DM. Mit der Basis dieses Startkapitals übernahm er 1950 zusammen mit seinem Sohn das von den Alliierten beschlagnahmte Porsche-Werk.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Porsche

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7. Der Kepler-Kreis

1927 wurde ein mittelständischer Industrieller Mitglied der NSDAP: Wilhelm Keppler (1882 – 1969). Fünf Jahre zuvor hatte er gemeinsam mit dem weltweit agierenden US-amerikanischen Eastman Kodak-Konzern die Chemischen Werke Odin GmbH gegründet, die sich auf die Herstellung von Fotogelatine spezialisierten. Keppler pflegte u.a. intensiven geschäftlichen Umgang mit dem Kölner Privatbankier Kurt Freiherr von Schröder. 1931 wurde Keppler zum offiziellen Wirtschaftsberater Adolf Hitlers ernannt. Von seiner Initiative ausgehend wurde der sogenannte Keppler-Kreis (später in Freundeskreis Reichsführer SS umbenannt) gegründet. Seit 1936 war er u.a. Hermann Görings Berater für die Durchführung des Vierjahresplans, Aufsichtsratsvorsitzender der Braunkohle Benzin AG, später Mitglied des Aufsichtsrats der Continentale Öl AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Umsiedlungs-Treuhand-Gesellschaft. Im Nürnberger Prozess wurde er 1949 zu einer Haftstrafe von 10 Jahren verurteilt, und vorzeitig 1951 wieder entlassen.

November 1932, kurz nach der Wahlniederlage der Nazis bei den Reichstagswahlen – bei der diese Partei mehr als 2 Millionen Wählerstimmen verlor ( im Vergleich zu den Reichstagswahlen vom Juli 1932) – wurde die sogenannte „Industriellen-Eingabe“ an Hindenburg überreicht. Erarbeitet wurde der Text dieser Eingabe von Hjalmar Schacht. Unterschrieben hatten diese Petition, in der die Übergabe der Regierungsmacht an die faschistische Partei gefordert wurde, die Mitglieder des „Keppler-Kreises“, einflussreiche Großgrundbesitzer und Paul Reusch und Fritz Springorum zwei weitere führende Repräsentanten der Schwerindustrie.

„Der „Keppler-Kreis“ kam am 20. Juni 1932 im Hotel „Kaiserhof“ zu einem Treffen mit Adolf Hitler zusammen. Einmal mehr redete der „Führer“ der NSDAP in kleinem Kreis Klartext. Er wolle im vom ihm angestrebten „Dritten Reich“ die Organisationen der Arbeiterbewegung endgültig zerschlagen, die bürgerlichen Parteien verbieten, so dass in Deutschland künftighin nur die NSDAP existieren werde, und mit groß angelegten Rüstungen beginnen. Wie sich Keppler im September 1946 in einer eidesstattlichen Erklärung für das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal erinnerte, erhob niemand aus dem „Keppler-Kreis“ irgendwelche Einwände gegen diese Zielvorstellungen. Im Gegenteil. Man drückte die „Besorgnis aus, dass es ihm nicht gelingen werde, diese hervorragenden Ideen in die Tat umzusetzen. Der „Keppler-Kreis“ erreichte vor allem, dass wichtige wirtschaftspolitische Erklärungen vorab Hitler vorgelegt werden mussten und damit letztlich der Kontrolle Wilhelm Kepplers unterlagen. Die Parteizentrale in München wurde nach und nach derart umorganisiert, dass leitende Mitarbeiter, deren wirtschaftspolitische Ansichten nicht vollständig den Vorstellungen der Großindustriellen entsprachen, kalt gestellt wurden. Das betraf vor allem Gregor Strasser, der endgültig im Dezember 1932 seinen politischen Einfluss verlor und von allen Parteiämtern zurücktrat, aber auch Gottfried Feder, den Autor des Parteiprogramms von 1920, sowie Hitlers langjährigen Wirtschaftsberater Otto Wagener, der eine Neuorganisation des Staates und der Volkswirtschaft nach ständischen Modellen, aber auch die Verstaatlichung des Bankwesens favorisierte.“

Das deutsche Großkapital, der „Keppler-Kreis“ und die NSDAP Eine unentbehrliche Vorgeschichte des 30. Januar 1933 von Reiner Zilkenat  – Broschüre der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten/ Landesvereinigung NRW

http://www.nrw.vvn-bda.de/bilder/keppler-kreis.pdf

 

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Mitglieder des Keppler-Kreis waren u.a.:

Mitglieder waren neben Otto Steinbrinck, Vorstandsmitglied der zum Flick-Konzern gehörenden Mitteldeutschen Stahlwerke AG, und Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahn und Emil Meyer von der Dresdner Bank folgende Personen:

August Rosterg, Generaldirektor des Deutschen Kalisyndikates und der Wintershall AG, die bei Merkers in Thüringen das größte Kalibergwerk der Welt bewirtschaftete. Im Focus seiner weiteren Geschäftsinteressen lag die Förderung, Raffinierung und der Vertrieb von Erdöl und Mineralölprodukten.

Ewald Hecker, Sohn des Geschäftsinhabers der Großbank Disconto-Gesellschaft. Er war Aufsichtsratsvorsitzender der Ilseder Hütte AG in Niedersachsen, Präsident der Industrie- und Handelskammer Hannover und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Commerzbank.

Franz Heinrich Witthoefft, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Commerzbank. Außerdem war er Senator der Freien und Hansestadt Hamburg (1928 – 1931), Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, sowie Mitglied der Aufsichtsräte bei der Deutschen Werft in Hamburg und der C. Lorenz AG in Berlin (SEL-Standard Electric Lorenz) sowie Inhaber der Hamburger Übersee-Handelsfirma Arnold Otto Meyer.

Friedrich Reinhart, ebenfalls von der Commerzbank, diente der Regierung unter dem Reichskanzler Heinrich Brüning als Sachverständiger während der Bankenkrise im Sommer 1931. Er galt als intimer Kenner wirtschafts-, finanz- und außenpolitischer Planungen der Reichsregierungen. Seit 1925 war er Mitglied des „Engeren Beirates“ der Deutschen Reichsbank und Inhaber von zeitweilig mehr als 30 Aufsichtsrats-Mandaten.

Kurt Freiherr von Schröder, Mitinhaber des Bankhauses J. H. Stein, der verwandtschaftlich mit der Londoner Schroeder-Bank verbunden war. Außerdem war er verschwägert mit Kurt von Schnitzle. Von Schnitzler amtierte seit 1926, nachdem er zwei Jahre lang dem Vorstand der Hoechst AG angehört hatte, als Vorstandsmitglied der IG Farben.

Emil Helfferich, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsch-Amerikanischen Petroleum Gesellschaft (D.A.P.G.) – Eine hundertprozentige Tochter des weltweit größten Mineralölkonzerns, der Standard Oil of New Jersey Company. In Deutschland betrug nach einer Analyse der volkswirtschaftlichen Abteilung der IG Farben vom April 1932 „ihr Anteil am deutschen Geschäft bei Benzin 30 Prozent, bei Gasöl 25 Prozent und bei Bunkeröl 65 Prozent“. Zu Beginn der dreißiger Jahre sollen sich 75 Prozent der deutschen Erdölraffinationskapazität und 40 Prozent aller Zapfstellen im Besitz der D.A.P.G. befanden haben, wofür 86,6 Millionen Reichsmark investiert wurden. Helfferich war außerdem Gründer und langjähriger Geschäftsführer des vor allem in Asien aktiven Pflanzungskonzerns „Straits and Sunda Syndicate“.

Albert Vögler(1877-1945), Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Stahlwerke AG, Präsidiumsmitglied des RDI, Mitglied des Hauptvorstandes des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und der Ruhrlade, Aufsichtsratsvorsitzender der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke, der Gelsenkirchener Bergwerks AG sowie der Ruhrgas AG, Aufsichtsratsmitglied u.a. der Siemens-und- Halske und der Siemens-Schuckert-Werke, der größten deutschen Reederei, der Hamburg-Amerika- Paketfahrt AG (HAPAG), der Bayerischen Vereinsbank, der Deutschen Maschinenbau AG(Demag) und der Nordstern Lebensversicherungs AG. Vögler war ab 1941 Vorsitzender der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Er galt als Initiator eines Treffens 1942 in Berlin zwischen den Wissenschaftlern des Atombombenprojekts, Albert Speer und den Spitzen der Wehrmacht.

Hjalmar Schacht (1877 – 1970) war von 1923 bis 1930 und von 1933 bis 1939 Reichsbankpräsident, sowie von 1934 bis 1937 Reichswirtschaftsminister. Seit 1906 war er ständiges Mitglied verschiedener Freimaurerlogen. Von 1901 bis 1903 war er Geschäftsführer des Handelsvertrags-Vereins und von 1908 bis 1915 arbeitete er als stellvertretender Direktor der Dresdner Bank. Während des 1. Weltkrieges leitete er die Bankabteilung des deutschen Generalgouvernements im besetzten Belgien. Nach Kriegsende 1918 gehörte Schacht zu den Mitbegründern der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), aus der er 1926 austrat.

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8. Hjalmar Schacht – Finanzpolitik und Appeasement

Als Reichsbankpräsident frisch im Amt, koordiniert er die Einführung der neuen Rentenmark, mit der es u.a. gelang die Hyperinflation zu stoppen. 1924 wurde er Aufsichtsratsvorsitzender der auf seinen Vorschlag hin gegründeten Deutschen Golddiskontbank. Er war 1924, wie 1929 Mitglied der deutschen Delegationen bei den Konferenzen zur Klärung der Reparationszahlungen aus denen der Dawes-Plan und später der Young-Plan hervorging. In diesem Zusammenhang war Schacht auch als Vertreter der Reichsbank im Gremium der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Schacht war von 1933 bis 1946 einer der Senatoren der 1911 gegründeten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. (KWG) war bis Ende des Zweiten Weltkriegs die Trägerin der Kaiser-Wilhelm-Institute (KWI) – führende Forschungsinstitute, die vor allem privat finanzierte Grundlagenforschung betrieben. Im Zeitraum des Nationalsozialismus orientierte sich die Forschung zunehmend an den Bedürfnissen der Rüstungsindustrie. Nach dem 2. Weltkrieg ging sie in der neu gegründeten Max-Planck-Gesellschaft auf. Einige bekannte Nobelpreisträger der KWG waren: Max Planck( Physik/1918), Fritz Haber (Chemie/1918), Albert Einstein (Physik/1921), Carl Bosch (Chemie/1931), Werner Heisenberg (Physik/1932). Die bekannteste Entdeckung war die Kernspaltung des Uranatoms im Institut für Chemie 1938 durch Otto Hahn und Fritz Straßmann.

Hjalmar Schacht war maßgeblich an der finanzpolitischen Entmachtung der SPD im Dezember 1929 beteiligt. Um der Weltwirtschaftskrise begegnen zu können, hatte die Reichsregierung mit dem Kabinett Müller II – die letzte große Koalition mit einer stabilen parlamentarischen Mehrheit – sich an das amerikanische Bankhaus Dillon Read und Co. gewandt, um einen Überbrückungskredit in Höhe von 300 Millionen Reichsmark zu erhalten. Dillon Read&Co. machten ihrerseits die Bewilligung von der Zustimmung der Reichsbank abhängig. Hjalmar Schacht forderte eine Änderung des Budget-Planes in puncto Schuldenabbau (…) und verweigerte erstmal seine Zustimmung – mit der Konsequenz einer möglichen Zahlungsunfähigkeit des Deutschen Reiches zum Jahreswechsel 1929/30. Mit der Mehrheit der Koalition wurde daraufhin das Budgetgesetz im Sinne Schachts geändert, der SPD-Finanzminister Rudolf Hilferding trat zurück und der Kredit wurde gewährt.

Was bringt der Entwurf, den Sie uns vorlegen? (…) Er bedeutet in Wahrheit die Entmündigungsurkunde der heutigen Finanzgebarung. Ja, er bedeutet mehr: er bedeutet schließlich die politische Abdankung der Reichsregierung, er bedeutet die Unterstellung der Reichsregierung unter die Geschäftsaufsicht des Reichsbankpräsidenten.

Der DNVP-Abgeordnete Paul Bang 1929

http://www.heise.de/tp/artikel/45/45392/1.html

Nach dem „Wahlsieg“ der Nationalsozialisten 1933 machte Hitler Schacht erneut zum Präsidenten der Reichsbank. Schacht entwickelte eine Finanzierungskonstruktion, die sogenannten Mefo-Wechsel, mit denen die Aufrüstung der Wehrmacht und staatliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert werden konnten. In den Jahren 1935 bis 1937 war er außerdem Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft.

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In den Jahren 1933 und 1934 wurden von der Reichsbank zwei Tarnfirmen gegründet; die Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH (Mefo) und die Handelsgesellschaft für Industrieerzeugnisse (Hafi). Unternehmen, deren Rüstungsaufträge nicht aus dem Staatshaushalt oder durch öffentliche Anleihen finanziert wurden, konnten auf die Mefo-Wechsel ziehen, die durch die Hafi garantiert wurden, und sie über die Geschäftsbanken bei der Reichsbank einlösen. So wurden der Charakter und das Ausmaß dieser kurzfristigen staatlichen Kreditgelder verschleiert und der tatsächliche Umfang der Rüstungsausgaben blieb so lange Zeit der Öffentlichkeit verborgen. Die Mefo, benannt nach der Metallurgischen Forschungsgesellschaft mbH wurde mit einem Grundkapital von einer Million Reichsmark gegründet, welches die Konzerne von Siemens, Gutehoffnungshütte, Krupp und Rheinmetall stellten. Wirtschaftlich gesehen waren diese Mefo-Wechsel nichts anderes als ein Kredit der Kriegsindustrie an das Reich. So konnte Deutschland die Aufrüstung finanzieren ohne in harter Währung zu zahlen oder Bankkredite aufnehmen zu müssen – also ohne Inanspruchnahme des internationalen Kapitalmarktes – indem es Wechsel annahm, die von der Rüstungsindustrie ausgestellt wurden, die dann von der zu diesem Zweck gegründete Scheinfirma Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH akzeptiert wurden. Diese Handelswechsel mussten im Reichshaushalt und im Reichsschuldbuch nicht ausgewiesen werden und waren mit einem Jahreszins von 4 % ausgestattet. Insgesamt wurden von 1934 bis 1938 Wechsel in Höhe von zwölf Mrd. Reichsmark ausgegeben. Diese finanzierten ca. 45 % der bis dahin aufgelaufenen Rüstungsausgaben Von diesen zwölf Milliarden RM wurden acht Milliarden, aufgrund der möglichen Zinsgewinne, vom Markt aufgenommen. 90 % dieser Mefo-Wechsel befanden sich im Besitz der Geschäftsbanken und wurden nicht bei der Reichsbank eingelöst. Schachts Kalkül, einer wahrscheinlichen Inflationsgefahr zu begegnen, ging somit auf.

1938 wurden die Mefo-Wechsel durch Reichs-Schatzanweisungen ersetzt und 1939 wurde die Reichsbank Adolf Hitler unterstellt. In der Zeit 1938/ 39 explodierte die Ausgabe dieser kurzfristigen Schatzanweisungen in einer Höhe von 4,2 Milliarden RM. Dies dürfte der Grund für Schachts geäußerten Kritik an den geänderten Paradigmen der Rüstungs- und Finanzpolitik gewesen sein. Er wurde danach, 1939 aus dem Amt des Reichsbankpräsidenten entlassen. Auf Hitlers Wunsch blieb er Reichsminister ohne Geschäftsbereich, bis er 1943 auch aus diesem Amt entlassen wurde. 1944 wurde er dann als Mitverschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944 von der Gestapo verhaftet und im Konzentrationslager interniert. Beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess wurde er 1946 von dem Gericht von allen Anklagepunkten freigesprochen. Kurz nach diesem Freispruch wurde er erneut verhaftet und von der Entnazifizierungs-Spruchkammer in Stuttgart zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Nach einem Berufungsverfahren 1948, kam er endgültig frei.

„Wenn  ausländisches Geld, welches von ausländischen Banken bereitgestellt wurde, mitschuldig am Aufstieg Adolf Hitlers ist, so stellt sich die Frage, warum US-Banker und US-Ölmagnaten nicht auch vor dem Nürnberger Tribunal saßen. Das heikle Thema: „Unterstützung Hitlers durch die USA“ durfte während der Prozesse nicht einmal erwähnt werden. Als Hjalmar Schacht diese Dinge zur Sprache bringen wollte, bekam er einen Maulkorb verpasst.“

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29387/1.html

1953 gründete Hjalmar Schacht die Deutsche Außenhandelsbank Schacht und Co., die er bis 1963 vertrat und war weitergehend in diesem Zeitraum als finanzpolitischer Berater in Brasilien und Indonesien beschäftigt. Außerdem wurde er Mitglied in der 1960 gegründeten rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik (GfP). Ihr gehören vor allem Verleger, Buchhändler, Redakteure und Schriftsteller an. Von der GfP wird kontinuierlich eine Öffentlichkeitsarbeit betrieben, die die Kriegsschuld Deutschlands relativiert und die Vergasung von Millionen von Juden und von Menschen aus der politischen Opposition in Frage stellt. Nach einer Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz handelt es sich bei dieser Gesellschaft um die größte rechtsextreme Kulturvereinigung in der BRD.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hjalmar_Schacht
http://de.wikipedia.org/wiki/Wechsel_%28Urkunde%29
http://www.nrw.vvn-bda.de/bilder/keppler-kreis.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Freundeskreis_Reichsf%C3%BChrer_SS
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Keppler
http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de/texte/0059_keppler-kreis.htm

 

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