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Organspende – Wie tot sind Hirntote?

Von Werner Bartens

 

Der Hirntod ist die Voraussetzung für die Entnahme von Spenderorganen. Doch die Frage, ob mit ihm tatsächlich das Leben aufhört, ist nicht eindeutig zu beantworten. Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein vermeintlich lebloses Hirn noch erstaunlich viel kann.

 

Der Organspendeausweis ist eine Mogelpackung. Auf dem Dokument, das je nach Erhebung 16 bis 20 Prozent der Deutschen ausgefüllt haben, gestatten sie “für den Fall, dass nach meinem Tod eine Spende von Organen/Geweben zur Transplantation in Frage kommt”, die Entnahme einzelner Körperteile. Man kann auch seinen Widerspruch ankreuzen oder verfügen, dass andere die heikle Entscheidung übernehmen sollen. Doch was heißt schon “nach meinem Tod”? Der Tod ist in der modernen Medizin eine Frage der Definition, erst recht der Todeszeitpunkt.

 

Bevor ein Organ gespendet werden kann, muss der Hirntod festgestellt werden. Seit 1968 gibt es diesen Begriff – er wurde seinerzeit eingeführt, um die technisch plötzlich machbare Organverpflanzung zu ermöglichen. (Bevor 1952 die Herz-Lungen-Maschine erfunden wurde, galt der irreversible Kreislaufstillstand als Kriterium des Todes.)

 

org-entnahme-320Ärzte verstehen unter dem Hirntod die “irreversibel erloschene Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms”. Durch Beatmung und andere medizinische Hilfen wird die Herz- und Kreislauffunktion künstlich aufrechterhalten. Doch der Puls von Hirntoten ist noch zu tasten, ihr Herzschlag und ihre Atmung auch; sie sind warm, einige können schwitzen, ausscheiden, verdauen, es gibt also noch einen Stoffwechsel.

 

Doch ist so ein Mensch tatsächlich tot? Auf die alte Frage gibt es keine eindeutige Antwort, aber viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse.

 

Dass im Gehirn kaum noch etwas funktioniert, diagnostizieren zwei Ärzte unabhängig voneinander. Sie stellen klinisch fest, dass der Mensch nicht mehr spontan atmet, im tiefen Koma liegt, keine Reflexe mehr hat. Apparativ muss zudem gezeigt werden, dass im EEG keine Hirnströme mehr nachweisbar sind, die Hirndurchblutung versiegt ist und das Gehirn nicht auf Reize reagiert.

 

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), eine private Stiftung, die in Deutschland die Verteilung koordiniert und für mehr Organspenden wirbt, stellt dazu lapidar fest: “Das Gehirn ist übergeordnetes Steuerorgan aller elementaren Lebensvorgänge. Mit seinem Tod ist auch der Mensch in seiner Ganzheit gestorben.”

 

Für den Kardiologen Paolo Bavastro aus Stuttgart ist die Sache hingegen nicht so einfach und bereits der Begriff Hirntod eine “arglistige Täuschung”. Vielmehr handele es sich bei “Menschen im Hirnversagen um schwerstkranke, sterbende Menschen, aber noch keine Toten”, wie er mehrmals dargelegt hat. Daraus folgt: “Sonst könnten wir auch keine lebensfähigen Organe aus einem toten Menschen entnehmen. Wir brauchen lebendige Organe aus einem noch lebenden Organismus.” Der Fall des “Erlanger Babys” 1992 zeigte zudem, dass der Fetus im Bauch einer hirntoten Schwangeren fünf Wochen weiter wuchs.

 

Verschlusssache Philadelphia-Experiment

Im Zweiten Weltkrieg soll die amerikanische Marine ein Kriegsschiff unsichtbar gemacht haben. Dabei sollen Menschen mit dem Schiffsrumpf verschmolzen und andere dem Wahnsinn anheim gefallen sein – bis heute versuchen einige Leute, das zu beweisen. Rational ist das nicht möglich.

Das Schiff, das durch die Hölle ging

Im Oktober 1943 hat die US-Marine angeblich das „Philadelphia-Projekt“ durchgeführt. Sein Zweck soll gewesen sein, ein Kriegsschiff für das damals neu erfundene Radar unsichtbar zu machen. Anderen Quellen zufolge suchte die US-Marine nach einem Entmagnetisierungsverfahren für Schiffsrümpfe: Schiffe sollten so vor den mit Magnetzündern versehenen Torpedos der deutschen U-Boote geschützt werden. Doch als die Militärforscher mit dem Versuch begannen, lief er fürchterlich aus dem Ruder.

Die Geschichte wird wie folgt kolportiert: Ausgewählt für das Experiment wurde die USS Eldridge, ein Geleitzerstörer der Cannon-Klasse. Auf dessen Deck installierten Militärtechniker riesige Generatoren, die starke Magnetfelder erzeugen sollten.

Als sie in Gang gesetzt wurden, geschahen entsetzliche Dinge: Das Schiff wurde gänzlich unsichtbar, für 15 Minuten war nur sein Kielabdruck im Wasser zu sehen. In dieser Zeit wurde es in den 370 Kilometer entfernten Kriegshafen von Norfolk teleportiert, wo es kurzfristig vor den Docks auftauchte. Anschließend entmaterialisierte es sich wieder für den Rücktransport nach Philadelphia.

Dort allerdings setzte sich die Materie nicht wieder korrekt zusammen. Menschliche Körper und andere Gegenstände waren mit dem Stahl des Rumpfs und der Aufbauten verschmolzen, viele Besatzungsmitglieder wiesen schwere Verbrennungen auf oder waren tot. Andere wurden wahnsinnig oder verschwanden spurlos.

Noch Jahre später sollen sich Beteiligte vereinzelt in Luft aufgelöst haben oder schweren Erkrankungen erlegen sein. Mitarbeiter an dem Versuch waren angeblich unter anderem der für seine elektrotechnischen Erfindungen bekannte Physiker Nikola Tesla sowie Albert Einstein.

Ein einziger Zeuge

Diese Darstellung geht auf den Bericht eines einzigen vorgeblichen Augenzeugen zurück: des Matrosen Carlos Meredith Allende alias Carl Allen. Er wohnte nach eigener Darstellung dem schauderhaften Ereignis aus nächster Nähe bei, denn er war Matrose auf der SS Andrew Furuseth, die in der Marinewerft von Philadelphia gegenüber der USS Eldridge lag.

Im Frühjahr 1956 wandte Allen sich an den amerikanischen Astronomen und Ufo-Forscher Morris K. Jessup. Er hatte dessen Buch „Was für die Ufos spricht“ („The Case for the Ufo“) gelesen. Jessup forderte darin, die Forschung an Einsteins Feldtheorie zu intensivieren. Daraus könnten neue Antriebstechniken für die Raumfahrt entstehen, und Reisen in fremde Welten würden möglich. Allen schilderte seine Beobachtungen in einer Serie von Briefen an Jessup.

„Die Theorien aus Ihrem Buch sind längst Realität“, hieß es darin. Militärforscher hätten bereits ein Schiff unsichtbar gemacht und es sogar teleportiert. Doch Jessup starb 1959 unter mysteriösen Umständen; die Polizei konstatierte Selbstmord. Nun kontaktierte Allen einen weiteren Ufo-Forscher namens Jaques F. Vallee.

Einer anderen Quelle zufolge übergab Jessup seinem Kollegen Ivan Sanderson vor seinem Suizid seine Unterlagen zum „Philadelphia-Experiment“, angeblich mit den Worten: „Für den Fall, dass mir etwas passiert“. Eindeutig wird die Quellenlage erst wieder 1968: In jenem Jahr erschien ein Artikel zum Thema von J. Clerk in dem Buch „The Allende Letters“ von Steiger & Whritenour. Weitere Veröffentlichungen folgten, und 1984 wurde der Film „Das Philadelphia-Experiment“ gedreht.

Natürlich behaupteten offizielle Stellen nach den ersten Publikationen, ein solches Experiment habe es nie gegeben. Marinesprecher nannten den angeblichen Augenzeugen Allen einen Schwindler, der mit der erfundenen Geschichte Geld machen wolle.

Das Naval Historical Center veröffentlichte die Logbücher der USS Eldridge von ihrer Indienststellung am 27. Juli 1943 bis Ende 1943. Demzufolge war das Schiff in dieser Zeit nicht in Philadelphia, sondern in New York. Es ist auch starker Tobak: Ein ganzes Kriegsschiff soll mit Mann und Maus über eine große Distanz teleportiert worden sein, wobei es aus der realen Welt verschwand.

Die Regierung wollte das Geschehen vertuschen, um die neu entwickelte Technologie geheim zu halten. Noch heute stellen viele Leute Vermutungen über die möglichen Hintergründe an. Manchen nennen gewisse Ungereimtheiten als Beleg für ihre Hypothesen, etwa hinsichtlich des Indienststellungsdatums.

Die USS Eldridge wurde 1951 im Rahmen der Militärhilfe an die griechische Marine übergeben. Dabei sollen die Schiffspapiere abweichende Angaben enthalten haben. So nannten die US-Papiere als Datum des Stapellaufs den 25. Juli 1943, die griechischen Dokumente jedoch den 25. Juni 1943. Damit hat die offizielle Mannschaft das Schiff erst einen Monat später betreten und konnte niemals Zeuge wie immer gearteter Experimente sein.

Die USS Eldridge, ein Geleitzerstörer der Cannon-Klass Quelle: wikipedia.de

Ungereimtheiten

In denselben Unterlagen wollen die Autoren William Moore und Charles Berlitz, die ein Buch über das Philadelphia-Experiment schrieben, auch eine verräterische Gewichtsdifferenz entdeckt haben. In den griechischen Dokumenten war eine Ladeverdrängung von 1900 Tonnen notiert, in den US-Papieren jedoch nur 1520 Tonnen, das sind 380 Tonnen Unterschied.

Womöglich wurde etwas, das so viel wog, aus dem Schiff entfernt – vielleicht Spulen und elektronische Geräte? Zugleich beflügelte das mysteriöse Dahinscheiden Jessups wilde Spekulationen über Vertuschungsmanöver und Verschwörungen gegen die Wahrheitsfindung.

Handfeste Beweise, die Allens Darstellung stützen würden, gibt es nicht. Deshalb glauben die meisten mit der Sache befassten Forscher – ob Physiker oder Historiker – nicht, dass es das Experiment je gab. Die genannten Indizien lassen sich vermutlich recht trivial erklären.

So dürfte das abweichende Datum für den Stapellauf nichts als ein banaler Schreibfehler sein. Auch fand das angebliche Experiment lange nach diesem Zeitpunkt statt. Die Gewichtsdifferenz tritt bei allen Schiffen der Cannon-Klasse auf. Sie resultiert aus dem Standardgewicht und dem Gewicht einschließlich Munition und Brennstoffe.

Da es ohne diese Zuladung an die Griechen übergeben wurde, notierten diese das geringere Gewicht. Vor allem wurde Allens Bericht niemals von anderen Zeugen bestätigt. Keiner seiner Mannschaftskameraden konnte sich an das erschreckende Experiment erinnern. Auch wies die USS Eldridge, die angeblich durch die Hölle ging, bei der Indienststellung keine Schäden auf.

Funken Wahrheit der Geschichte

Allenfalls gestehen die seriösen Forscher dem selbst ernannten Augenzeugen zu, dass er manche Fakten in der Fantasie zu dem spektakulären Ereignis verwob. Tatsächlich arbeitete die US-Marine an einem Antimagnetsystem, um sich gegen die 1942 erstmals eingesetzten Magnetminen und magnetgezündeten Torpedos der Deutschen zu wappnen. Das Verfahren hieß „Degaussing“, es kam auch auf den damals neu entwickelten Geleitzerstörern zum Einsatz.

Möglicherweise sprachen die beteiligten Ingenieure davon, ein Schiff „unsichtbar“ zu machen. Dies könnte der Schlüssel zu Allens Geschichte sein. Faktisch aber kann ein starkes Magnetfeld keine optische Unsichtbarkeit bewirken, und schon gar keine Teleportation.

Zweifel an seiner Darstellung des Ereignisses weckte auch Carl Allen selbst. Im Juni 1969 erschien er am Hauptsitz der Forschungsorganisation „Aerial Phenomena Research Organization“ in Tucson (Arizona), um seine Geschichte zu widerrufen. Später aber soll er wiederum den Widerruf widerrufen haben. Sein weiteres Schicksal ist unklar. Manche Historiker sagen, er sei 1994 in einem Heim im US-Bundesstaat Colorado gestorben.

Die Regeln der Physik

Das Hauptargument gegen das Philadelphia-Experiment ist, dass es alle Gesetze der Physik durchbrochen hätte. Obwohl – das stimmt nicht ganz. Wie Militärexperten herausfanden, beauftragte das „National Defense Research Committee“ der USA Anfang 1940 einige Physiker mit Forschungsarbeiten an der Unsichtbarkeit. Sie sollten herausfinden, ob elektromagnetische Felder Licht derart krümmen können, dass ein Luftspiegelungs- oder „Fata-Morgana“-Effekt eintritt. Berechnungsgrundlage war ein Schiff, das dadurch nicht mehr beobachtbar sein sollte.

Damals blieben die Forschungen ohne praktisches Ergebnis. Erst in jüngster Zeit ist ein ähnliches Experiment gelungen. US-Physiker haben sogenannte Metamaterialien entwickelt, die elektromagnetische Wellen in spezieller Weise brechen und so um einen Gegenstand herum lenken können. Die Forscher bauten einen Ring aus dem Tarnkappen-Material, in dem kleine Dinge tatsächlich nicht zu sehen sind. Bislang funktioniert dies allerdings nicht mit sichtbarem Licht, sondern nur mit Mikrowellen, wie sie etwa von Radargeräten, Handys oder Satelliten verwendet werden. In einem Radarbild erscheint an der Position des Gegenstands lediglich leerer Raum.

Interview: Das Philadelphia-Experiment

Oliver Gerschitz enthüllt in seinem Buch „Verschlusssache Philadelphia-Experiment“ ein Geheimnis, das für immer totgeschwiegen werden sollte: die ebenso faszinierende wie schockierende Dematerialisation eines Schiffes und seiner Mannschaft mitten im Zweiten Weltkrieg.

Waren Einsteins Genius und Teslas Erfindergeist im Spiel, als sich ein US-Kriegsschiff mit Mann und Maus in Nichts auflöste und gleichzeitig an einem 1000 Kilometer entfernten Ort sichtbar wurde?

Welche Geheimnisse bergen das so genannte »Philadelphia-Experiment« und sein unglaubliches Nachfolgeprojekt »Phönix«, das später als das »Montauk-Projekt« bekannt wurde?

Oliver Gerschitz erklärt hier eindrucksvoll, dass diese Projekte von einer geheimen Macht aus dem Verborgenen gesteuert wurden.

Ihre Ursprünge gehen zurück, bis ins Deutschland der 1920er Jahre, wo bestimmt Gruppierungen durch Manipulation der vierten Dimension Verbindung mit außerirdischen Kräften suchten. Hier wurde modernste Wissenschaft mit höchstem esoterischem und okkultem Geheimwissen verbunden.

In einer gezielt geplanten Aktion geschah das Unglaubliche. Man Verursachte einen Riss in der Raum-Zeit.

 

 

Quellen: PublicDomain / Focus / nuoviso.tv

 

 

Ist der Papst islamfeindlich? Vatikan: Flüchtlinge weggeschickt

Der Vatikan weigert sich immer noch beharrlich, muslimische Flüchtlinge aufzunehmen. Ist der Papst etwa islamfeindlich?

Willkommen in ihrem neuen Zuhause! Nachdem der Papst ein Flüchtlingscamp in Lesbos besucht hatte, lud er 12 syrische Flüchtlinge ein, darunter drei Familien mit sechs Kindern, nach ihrer Rettung mit nach Rom zu fliegen, ein neues Leben zu beginnen.

Franziskus sagte: „Heute habe ich mein herzliches Plädoyer für Verantwortung und Solidarität angesichts dieser tragischen Situation erneuert.“

Medienwirksam wurde die Nachricht um die ganze Welt verbreitet: „Der Papst nimmt drei syrische Familien auf“.

Direkt im Vatikan sind Hilfe suchende Flüchtlinge dann aber offenbar unerwünscht und deshalb bringt man sie auch vorsichtshalber sechs Kilometer vom Papst entfernt unter, ausserhalb der Mauern des Staates Vatikan in der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio, also in Italien

Mit seiner von ihm gepriesenen Solidarität nimmt er es dann auch nicht so genau.

Die ganze Barmherzigkeit des Stellvertreters Gottes auf Erden konzentriert sich wieder einmal mehr nur auf Christen.

Wie es aussieht, haben die vielen Anhänger des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche einen islamfeindlichen Papst bekommen.

Papst
Mit seiner von ihm gepriesenen Solidarität nimmt er es nicht so genau.

Franziskus und die „arabische Invasion Europas“

„Arabische Invasion Europas“. Diese drei Worte sind am 1. März in Santa Marta, dem Gästehaus des Vatikan, gefallen. Ausgesprochen vom Papst vor einer Gruppe von Vertretern der linksorientierten französischen Bewegung „Poissons Roses“.

Angesichts von mehr als einer Million vornehmlich muslimischen Flüchtlinge, die seit dem vergangenen Sommer nach Europa und vornehmlich nach Deutschland gekommen sind, spricht Franziskus in seiner langen Rede von eben dieser „Invasion“. Und das 79-jährige Oberhaupt der Katholischen Kirche fährt fort: „Wir können heute von einer arabischen Invasion Europas sprechen. Das ist eine soziale Tatsache.“

Franziskus spricht aber auch von den Chancen, die daraus für den Kontinent entstünden. Und er warnt mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise vor nationalen Alleingängen. Stattdessen beschwört er wie so oft in der Vergangenheit die Einheit und Solidarität aller Europäer – und genau deshalb nimmt der Vatikan keine Flüchtlinge auf. Scheinheilig eben

Dunkle Vergangenheit von Papst Franziskus

Vor dem Konklave, in der sie im April 2005 Joseph Ratzinger zum Papst wählten, erhielten die Kardinäle eine E-Mail. Darin: ein Text des argentinischen Journalisten Horacio Verbitsky. Der Betreff: Jorge Bergoglio. Die E-Mail soll damals die Chancen des Erzbischofs von Buenos Aires, zum nächsten Pontifex gewählt zu werden, so geschmälert haben, dass er hinter Joseph Ratzinger den zweiten Platz belegte.

Doch was stand in dem Text von Verbitsky? Der investigative Journalist hatte das dunkelste Kapitel im Leben des neuen Papstes Francisco I. beschrieben: seine Rolle während der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983. Verbitsky beschuldigte den Jesuiten, die beiden Priester Francisco Jalics und Orlando Yorio im Mai 1976 an die Militärdiktatur ausgeliefert zu haben.

Sie arbeiteten unter seiner Aufsicht als Ordensprovinzial von Buenos Aires. Der Vorwurf, dass Bergoglio (wie fast die gesamte katholische Kirche Argentiniens) mit der Junta kollaboriert hatte, war nicht neu. Doch Verbitsky präsentierte Beweise.

In seinem Anfang 2005 erschienen Buch „El Silencio“ skizziert er, wie Bergoglio die beiden Priester zwei Monate nach der Machtübernahme des Militärs aufforderte, den Jesuitenorden zu verlassen. Die Männer galten in Kirchenkreisen aber auch bei den Militärs als „Guerilleros“, weil sie Sozialarbeit in einem Armenviertel leisteten. Doch sie lehnten Bergoglios Gesuch ab.

Sie seien keine Guerilleros, sagten sie, und baten Bergoglio als ihren Vorgesetzten darum, dies der Junta zu vermitteln. Bergoglio versprach, ein Wort für sie einzulegen. Jalics und Yorio aber auch andere Zeugen beschrieben später, wie Bergoglio sein Wort brach und die Priester stattdessen denunzierte.

Er ließ der Junta eine Nachricht zukommen, dass die Priester nicht mehr unter dem Schutz der Kurie stünden. Bald darauf wurden sie entführt. Aus Dokumenten der Junta geht hervor, dass Bergoglio drei Jahre später einem Beamten indirekt empfahl, den Reisepass von Jalics nicht zu verlängern, da dieser Kontakte zur Guerilla gehabt habe und dem Jesuitenorden gegenüber ungehorsam gewesen sei. Jalics lebte zu dieser Zeit in Deutschland mit dem Vornamen Franz.

Kardinal Bergoglio äußerte sich nie zu diesen Vorwürfen. Erst im Jahr 2010, als die Kritik an Benedikt XVI. so stark zugenommen hatte, dass dessen Pontifikat bereits als gescheitert galt, wurde eine von Jorge Bergoglio autorisierte Biographie mit dem Titel: „Der Jesuit“ veröffentlicht.

Es wird vermutet, dass es sein Versuch war, die Vorwürfe zu entkräften, die ihm möglicherweise 2005 das Papstamt gekostet hatten und sich nun erneut als Kandidat in Stellung zu bringen. Bergoglio erzählt, wie er sich für die Freilassung der beiden entführten Priester eingesetzt habe und anderen Verfolgten Unterschlupf und Hilfe anbot. Zudem habe er Jalics und Yorio über die Gefahr aufgeklärt, in der sie schwebten und die Juntaführer Videla und Massera bei drei Gelegenheiten um ihre Freilassung gebeten (Papst-Kenner über Junta-Verbindungen: „Bergoglio spielt ein doppeltes Spiel“).

Dass Bergoglio allerdings zeitweilig einen lässigen Umgang mit der Wahrheit pflegt, bewies er 2006, als er das Buch „Kirche und Demokratie in Argentinien“ herausgab. Darin wird über ein Treffen der Bischöfe mit Repräsentanten der Junta gesagt: Die Kirchenoberen machten klar, dass man bei den Menschenrechten keinen Schritt zurückweichen werde. In Wahrheit hatten sie der Junta ihre Unterstützung für die „Neu-Organisation des Landes“ ausgedrückt, deren Scheitern „zum Marxismus führen“ würde.

Viel weisser Rauch um vorgespielte Güte und Hilfsbereitschaft – damals wie heute.

 

Quellen: PublicDomain/schweizmagazin.ch/SPON/tagesspiegel.de

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